Ein achtjähriges Mädchen, das an Rheuma erkrankt ist, sitzt auf dem Schoß seiner Mutter

Bei Rheuma denken viele erst mal an alte, unbewegliche Menschen. Doch Rheuma kann auch schon Kinder treffen. Oft dauert es allerdings Jahre, bis das erkannt und entsprechend behandelt werden kann.

"Rheuma ist jünger als Du denkst": Der Kampagnentitel der Deutschen Rheuma-Liga aus dem Jahr 2019 passt auf Britta Klasen wie die Faust aufs Auge. Britta ist 25 und hat juvenile Arthritis – besser bekannt als Kinderrheuma. Manchmal wacht sie morgens auf und fühlt sich steif: "Die Hände sind ganz schlecht beweglich. Das fühlt sich an, als hätte man einen Skihandschuh an und will eine Nadel irgendwo einfädeln."

Richtige Diagnose dauert oft lange

Steuern kann Britta die Symptome nicht. Rheuma ist eine Schuberkrankung. Mal geht es ihr gut, mal ist ihr Fuß dick, mal hat sie starke Schmerzen in den Gelenken. Mit elf hatte Britta die ersten Symptome. Die Diagnose Rheuma gab es erst fünf Jahre später. "Ich wurde immer symptomatisch behandelt, hatte ein dickes Knie, dann hat der Orthopäde Cortison reingespritzt", erzählt sie. "Als ich dann immer mehr Einschränkungen bekam, erst dann kam jemand auf die Idee zu sagen: Vielleicht ist ja eine Grunderkrankung dahinter."

Die Deutsche Rheuma-Liga bietet Schulungen für Ärztinnen und Ärzte an, damit die Krankheit früher erkannt wird. In Deutschland gibt es rund 17 Millionen Rheumatiker. Jedes Jahr erkranken rund 1200 Kinder. Christine Weil ist Landesjugendsprecherin der Rheuma-Liga Hessen und Sprecherin des Arbeitskreises Junge Rheumatiker in Frankfurt. Sie weiß: Gerade bei Kindern dauert es oft ewig, bis Rheuma entdeckt wird. Wenn ein krankes Kind zum Kinderarzt komme, denke der nicht unbedingt gleich an Rheuma, sagt sie. Bei Jugendlichen heiße es oft, das sei wachstumsbedingt. "Das ist wirklich das, was wir verbreiten müssen - dass es nicht nur alte Leute betrifft, sondern auch schon junge."

Zu wenige Fachpraxen

Und gerade junge Menschen leiden unter den Einschränkungen im Alltag. Medikamente vertragen sich nicht mit Alkohol, eine Schwangerschaft oder auch die Berufswahl sind schwierig. Dass sie immer wieder in überraschte Gesichter blickt, kennt die Rheumatikerin Britta Klasen außerdem zu gut: "Wenn ich mit 16 gesagt hab: 'Ich habe Rheuma, dann kam erstmal: 'Wie, Du hast Rheuma, das ist doch ne Alte-Leute-Krankheit?'" Auch Mediziner hätten so reagiert: "Ich saß mal im Wartezimmer, da kam dann die Arzthelferin: 'Sie haben jetzt doch kein echtes Rheuma, oder?' Doch, ich habe echtes Rheuma."

Hinzu kommt: Fachpraxen sind Mangelware. Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie zeigen, dass es aktuell rund 750 internistische Rheumatologen in ganz Deutschland gibt. Rund doppelt so viele wären nötig, um alle Patientinnen und Patienten ausreichend zu versorgen. "Das Problem ist, dass viele Rheumatologen so überlaufen sind, dass sie gar keine Chance mehr haben, neue Patienten anzunehmen", sagt Christine Weil von der Rheuma Liga Hessen. "Dann warten Leute, die noch nicht diagnostiziert sind, sehr lange auf einen Termin oder bekommen gar keinen, das ist ein großes Problem."

Aufklärung ist wichtig

Das Fazit: Rheuma ist keine Alte-Leute-Krankheit. Von Rheuma kann jeder Mensch betroffen sein. Auch Babys zeigen Symptome. Britta und andere Betroffene wünschen sich, dass das bekannter wird: "Weil das einfach dazu führt, dass diese Erkrankung schneller diagnostiziert wird und das heißt wieder, dass die Krankheit besser behandelt werden kann. Wenn bekannt ist, dass Rheuma keine Alte-Leute-Krankheit ist, heißt es auch, dass die Leute auf weniger Widerstand und weniger Vorurteile stoßen und das wäre, denke ich, das Wichtigste."

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