Blick von Affoltern im Emmental, in die Berner Alpen

Zum Beginn der Feriensaison steht der Schweizer Tourismus vor einem Dilemma. Nach dem starken Einbruch des Geschäfts vor einem Jahr stehen die Signale in den Bergregionen auf Erholung, aber in den Städten fehlen nach wie vor die Gäste.

Für seinen löcherigen Käse ist das Emmental im Berner Mittelland weltweit bekannt. Nur wenige wissen dagegen, dass hier ein Tüftler eins der ersten E-Bikes entwickelt hat – mit  einem Scheibenwischermotor und einer Autobatterie. Das war Anfang der 1990er Jahre. Auf dieser Grundlage entstand die E-Bike-Marke Flyer, die heute Schweizer Marktführer ist.

Über 450 Kilometer Hügel-Himmel

Deshalb, vor allem aber wegen der hügeligen Landschaft, präsentiert sich das Emmental seit neuestem als E-Bike-Region. "Im Emmental ist es oft ziemlich anspruchsvoll, weil es eine Hügellandschaft ist, aber wir sind nicht im Berggebiet. Es ist nicht steinig und gerade hinauf, sondern eben ein bisschen rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter", erzählt Isabelle Hollenstein von Emmental-Tourismus.

Unter dem Motto Hügu Himu (Hügel-Himmel) wurden gleich mehrere Radwanderstrecken beschildert. Sie führen immer wieder entlang des Flusses Emme zu Sehenswürdigkeiten, Hofläden, Gasthäusern und natürlich zu Ladestationen. "Wir bieten heute über 450 Kilometer beschilderte E-Bike-Routen an. Wir haben auch verschiedene solcher Tagestouren zusammengestellt, wo man problemlos drei bis sechs Tage Aufenthalt machen kann im Emmental und nie auf derselben Strecke unterwegs ist", so Hollenstein.

Vierzig Prozent Einbußen

Selbstverständlich werden auch E-Bikes verliehen. Mit seinem Angebot liegt das Emmental ganz im Trend der Corona-Zeit. Naturnaher Urlaub ist gefragt - auch in anderen ländlichen Regionen der Eidgenossenschaft. Selbst wenn es insgesamt im Fremdenverkehr noch stockt, so sagt Markus Berger von der Marketing-Organisation Schweiz Tourismus, stehe man vergleichsweise gut da.

"Wenn man es vergleicht mit beispielsweise 2019, als die Schweiz das absolute Rekordjahr aller Zeiten hatte, da ist die Schweiz sehr schlecht durch die Krise gekommen, hat sehr viel Einbußen gemacht, vierzig Prozent im letzten Jahr. Wenn man es aber vergleicht mit anderen europäischen Mitbewerbern, dann sind wir recht gut gefahren, weil wir eben auch länger und breiter offengeblieben sind und weil der schweizerische Heimtourismus sehr stark war“, so Berger.

Zürich lockt mit Niedrigpreisen

Dank niedriger Fallzahlen ist wieder alles geöffnet - Museen, Wellnessbäder, Diskotheken. Gäste aus Nachbarländern sieht man wieder, doch die aus der Ferne, aus Asien und Nordamerika, fehlen. Darunter leiden vor allem die Städte. Nathalie Lüthi von Zürich Tourismus hofft daher auf mehr Europäerinnen und Europäer, die in der Finanzmetropole nicht nur die mittelalterliche Altstadt erkunden, sondern auch die lebendigen, urbanen Stadtteile der größten Schweizer Stadt.

"Kreis drei, vier, fünf - da sind viele Kreative, die dort wohnen oder eben auch ihre Geschäfte haben. Viele lokale Produzenten, die dort in den Boutiquen oder Shops ihre Artikel verkaufen", sagt Lüthi. Dabei gehe es in Zürich auffällig entspannt zu. Selbst Badeurlaub sei möglich – mitten in der Stadt. "Das Wasser ist glasklar und sehr erfrischend im Sommer. Man muss sich vorstellen: In einer Großstadt kann man im See oder im Fluss baden."

Gemeinsam mit mehr als 70 Hotels hat Zürich Tourismus ein spezielles Angebot entwickelt mit für die hochpreisige Schweiz attraktiven Preisen. So hofft man, auch in der Stadt wieder mehr Gäste anzulocken.

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