Second Hand Mode

Gebrauchte Klamotten sind im Trend - weil Kunden nachhaltig konsumieren wollen und weil es Second Hand-Mode immer öfter online zu kaufen gibt. Doch Umweltexperten warnen: Nicht alles daran ist nachhaltig.

Alte Klamotten neu auftragen? Was früher ein No-Go für modebewusste Kunden und Kundinnen war, hat sich inzwischen zum ernstzunehmenden Wirtschaftsfaktor in der Modebranche entwickelt. Second Hand zieht. Eine Studie der Unternehmensberatung KPMG zeigt: Ein Drittel der Konsumenten und Konsumentinnen kauft bereits gebrauchte Kleidung, ein weiteres Drittel denkt darüber nach.

Nachhaltig und immer öfter online

"In den letzten Jahren ist das natürlich nochmal interessanter geworden, vor allem aus dem Nachhaltigkeitsaspekt heraus", sagt Julia Eckert vom Bundesverband Textil und Mode. Kundinnen und Kunden würden sich vermehrt Gedanken darüber machen, wie man nachhaltig konsumieren könne und da sei Second Hand eine "tolle Möglichkeit".

Was den Boom aber auch befeuert: Second Hand-Mode gibt es jetzt viel häufiger online zu kaufen. Große Ketten wie H&M, Zalando und About You bieten eigene Kategorien auf ihren Websites an, bei About You heißt die Second Hand-Abteilung passenderweise Second Love, also zweite Liebe.

Greenpeace warnt vor Greenwashing

Der Online-Handel hat gegenüber kleinen Boutiquen in der Regel einen großen Vorteil, sagt Felix Krüger von der Unternehmensberatung Boston Consulting: "Bei Kundinnen und Kunden ist vor allem wichtig, eine sehr breite Auswahl an Marken und Produkten zu haben. Das war natürlich vormals im Offline-Bereich sehr schwer zu realisieren, wo Second Hand eben sehr stark auf Einzelprodukte ausgelegt war." Online finde man nun eine sehr breite Auswahl an Marken und Produkten.

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Alt und muffig? Das war mal! Second-Hand-Mode boomt!

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Auch Umweltschützer sehen Second Hand-Mode prinzipiell als positiv an. Das nachhaltigste Kleidungsstück sei eins, das nicht neu produziert werden müsste, sagt Viola Wohlgemuth von Greenpeace. Allerdings müsse man auch sehr genau hinschauen, ob große Firmen Second Hand-Angebote nicht auf ihren Websites einsetzten, um sich als besonders umweltfreundlich darzustellen. So nach dem Motto "guckt mal, liebe Konsumentinnen, auf meiner Seite könnt Ihr auch Second Hand kaufen, aber hier nebenbei seht Ihr dann die ganzen tollen neuen Fast Fashion-Modelle, die könnt Ihr doch eben auch gleich mal noch mitkaufen. Aber Ihr habt ja ein gutes Gefühl, weil Ihr habt ja irgendwas Nachhaltiges gekauft." Das wäre dann ein klassisches Beispiel von Greenwashing.

Verpackungs-Problem bleibt

Ein weiteres Problem mit dem Online-Handel: die Verpackungen, die oftmals Plastik oder andere nicht recyclebare Materialen enthielten, kritisiert Greenpeace-Sprecherin Wohlgemuth. "Was wir ganz klar fordern für den kompletten Onlinehandel ist der Mehrwegversand", sagt sie. In anderen Ländern wie etwa China sei das schon längt eingeführt worden, dort gebe es große Mengen an Mehrwegkartons und -verpackungen. Auch in Österreich gebe es schon Pilotprojekte von der Post. "Und genau das brauchen wir eben in Deutschland auch, damit solche Modelle ihre kompletten Nachhaltigkeits-Impact entfalten können", meint Wohlgemuth.

Auf jeden Fall sei Second Hand-Bekleidung kein kurzfristiger Hype, sondern ein langfristiger Trend. Da sind sich alle Kenner aus der Modebranche einig. Auch der digitale Modehändler About You, der unter anderem Second Hand vertreibt, konnte sein Geschäft im letzten Jahr deutlich ausbauen. About-You-Aktien legten Anfang der Woche um sieben Prozent zu.

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