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Zum Artikel Corona-Alltagshelden (2): Der Apotheker

Der Apotheker Henning Seth in seiner Apotheke

Es gibt Menschen, die trotz der Corona-Krise für Normalität im Alltag sorgen und sich jeden Tag einem hohen Risiko aussetzen. So wie zum Beispiel Henning Seth. Der Apotheker hält in Eltville die Stellung.

Apotheker Henning Seth berät einen älteren Herrn, der Medikamente für seine Frau holt. Zwischen den beiden ist eine Plexiglas-Scheibe, unten eine Öffnung zum Durchreichen der Packungen. Zwei solche Beratungsplätze in der Kilians-Apotheke in Eltville sind noch offen, der Weg dahin ist durch Pfosten und Bänder vorgegeben.

"Das A und O ist für mich der Abstand. Ich sage 'Respekts-Abstand', denn damit zeige ich meinem Gegenüber einfach Respekt. Wir wollen uns alle nicht gegenseitig anstecken", so Seth. Dazu gehören auch Marken auf dem Boden und dass höchstens noch zwei Kunden im Raum warten können. Gedrängel gibt es aber sowie so nicht, das Geschäft läuft ruhig.

Es gibt auch Verunsicherung 

Seth berät seinen Kunden ausführlich, er lächelt und bleibt freundlich. Der alte Herr nimmt die Stimmung auf, wirkt vergleichsweise entspannt, auch wenn er hier offensichtlich möglichst wenig berühren will. Nein, die Quittung braucht er nicht, sagt er schließlich und ist schnell wieder in seinem Auto, dass er direkt vor der Tür geparkt hat.

Haben die Menschen Angst, die in die Apotheke kommen? Seth überlegt. "Man hat alles natürlich. Manch einer möchte sich ein bisschen breiter austauschen und beraten werden. Verunsicherung gibt es aber schon auch: Das sieht man, wer welchen Abstand hält und wer Dinge anfassen möchte und wer nicht." Wichtig ist, dass der Apotheker die Menschen mit den Medikamenten versorgen kann, die sie brauchen. Und das funktioniert in der Eltviller Apotheke.

Allerdings hat der Apotheker auch gespürt, was in den sozialen Medien kursierende Gerüchte auslösen können: "Zum Beispiel gab es die Information, dass Paracetamol wunderbar als Schmerzmittel funktioniert und dass Ibuprofen irgendwas verschlechtert. Das war eine reine Falschinformation, aber es hat dazu geführt, dass wir kein Paracetamol mehr gekriegt haben."

Nicht mehr weit im Voraus planen

Inzwischen ist die Welle verebbt und das Mittel liegt wieder in den Schränken der Apotheke. Derzeit nutzen mehr Kunden den Service und lassen sich Medikamente nach Hause bringen. Manchmal auch vor die geschlossene Tür legen.

Ist es Vorsicht, Angst, Verunsicherung? "Ich hab keine Angst. Die überfällt mich auch nicht", sagt Seth. "Ich habe in diesen Zeiten gelernt, nicht mehr so weit im Voraus zu planen, und ich habe keine Angst, dass uns irgendwas überrennt oder so." Ihm hilft, dass sein Geschäft läuft, dass da viel zu tun ist und dass die Menschen froh sind, dass seine Tür offen ist.

Weitere Informationen

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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 31.3.2020, 6-9 Uhr

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