Nüsttal von oben

Nüsttal ist eine kleine Gemeinde im Landkreis Fulda: 2.800 Einwohner, acht Ortsteile. Drei davon haben sogar noch eine eigene Vorwahlnummer. Doch eine gemeinsame Dorf-App stärkt den Zusammenhalt.

Neue Nachrichten im Nüsttaler Dorffunk kündigen sich in allen acht Ortsteilen gleichzeitig und unisono mit einem Ton an. Die Smartphone-App ist mittlerweile der Kommunikations-Standard bei den 2.800 Einwohnern der Gemeinde. Die Ortsteile liegen teilweise kilometerweit auseinander, aber Nachrichten verbreiten sich schnell mit der App. Sarah Hess betreut die Anwendung bei der Verwaltung: "Die kommt gut an. Wir haben im November 2019 mit 210 Nutzern gestartet und sind mittlerweile bei 1.200 Nutzern."

Wichtige Nachrichten der Verwaltung: direkt aufs Mobiltelefon. Private Kleinanzeigen platzieren: kein Problem mit der Dorf-App. Wer will, kann auch ganz private Chats einrichten, ohne dass die ganze Gemeinde mitliest. Das Fraunhofer Institut hat die Anwendung entwickelt, die Nüsttaler nutzen sie intensiv. Für sie ist es ein Instrument des Zusammenhalts. Aber der entsteht ja nicht von allein.

Fördermittel generieren, Ehrenamtler finden

Arnold Will, hauptberuflich Ranger im Biosphärenreservat Rhön, ist seit 28 Jahren Ortsvorsteher im Ortsteil Silges - ehrenamtlich. Will hat sich um Projekte, um Vereine, um Fördergelder und Feiern gekümmert. Jetzt hört er auf, weil er weiß, dass Jüngere nachkommen. "Wir haben immer Wert darauf gelegt, dass wir die jungen Leute mit ins Boot genommen haben. Und wir können froh sein oder ich auch stolz darauf, dass wir einen Ortsbeirat gefunden haben, wo keiner über 40 Jahre alt ist", sagt Will.

Schnelle Kommunikation, kurze Wege und alle im Ort einbinden: So schildern die Nüsttaler ihre Gemeinschaft. Bürgermeisterin Marion Frohnapfel (CDU) sagt, sie ist darauf angewiesen, dass diese Gemeinschaft erhalten wird und funktioniert. Denn egal ob ein neuer Radweg durchs Nüsttal gebaut werden oder ein Projekt für altersgerechtes Wohnen geschaffen werden soll: ohne die Ehrenamtlichen geht nichts. "Es gibt zwei große Standbeine: Das sind Fördermittel generieren für Projekte und Ehrenamtliche finden, die sich dafür engagieren, die dafür brennen. Und die dann, insbesondere wenn etwas gebaut wurde, gestaltet wurde, das weiterhin am Leben halten", so die Bürgermeisterin.

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Serie: Geht doch! Wie Hessens Kommunen Probleme lösen

Ob Leerstand, Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung oder ÖPNV: In unserer Serie blicken wir auf Themen, die viele Menschen in Hessen betreffen und die daher auch im Kommunalwahlkampf eine Rolle spielen. Wir zeigen, wie Kommunen damit umgehen und wo bereits Lösungen für die Herausforderungen gefunden wurden.
Teil 1: Rauschenberg: Mit Nahwärme gegen den Leerstand
Teil 2: Münster-Altheim: Arthaus statt Rathaus
Teil 4: Breitscheid: Ein Gesundheitszentrum für den ländlichen Raum
Teil 5: Edermünde: Logistik-Zentrum als Job-Maschine

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Die eigene Stärke bewahren

Das Dorfgemeinschaftshaus muss saniert werden – ja, wird gemacht: mit Fördergeldern und Ehrenamtlichen, die am Wochenende viele Arbeiten selbst übernehmen. Also sollen und müssen die unterschiedlichen Generationen miteinander in Kontakt bleiben. Wie das geht? Zum Beispiel indem Kindergarten und Tagestreff für Senioren in einem Gebäude untergebracht werden.

Mit der Dorffunk-App, mit dem Kontakt zwischen den Generationen oder mit den Gemeinschaftsarbeiten an Dorfgemeinschaftshäusern versuchen die Nüsttaler das zu bewahren, was aus ihrer Sicht diese kleine Gemeinde stark macht: den Zusammenhalt.

Sendung: hr-iNFO, 10.3.2021, 6-9 Uhr

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