Edermünde

Ein Lebensmittel-Discounter möchte in Edermünde im Schwalm-Eder-Kreis sein Logistik-Zentrum bauen. Während einige das Vorhaben als Job-Maschine preisen, fürchten andere mehr Verkehrslärm.

Vieles hängt in Edermünde mit dem Straßenverkehr zusammen: Die Gemeinde ist an die Autobahn angebunden, also gut erreichbar. Aber die Bürger empfinden die A49, die Edermünde praktisch teilt, als Belastung. 40.000 Autos und Lastwagen rauschen da durchschnittlich pro Tag an der Gemeinde vorbei.

Günter Schumann von der Interessengemeinschaft Lärmschutz fürchtet, dass es noch viel mehr werden wird: "Jetzt wird die Autobahn angeschlossen, bei Homberg Ohm an die A5, und dann wird der Verkehr ansteigen – 2024, 2025 wird das sein, auf vermutlich 78.000 im Durchschnitt jeden Tag, übers ganze Jahr gesehen. Und das bedeutet sogar nach unseren Berechnungen, dass wir Tagesspitzen von bis zu 100.000 Autos am Tag haben."

Bund- oder Länder-Sache?

Deshalb kämpft die Interessengemeinschaft für mehr modernen Lärmschutz. Sehr engagiert, unermüdlich und natürlich im Kontakt mit der Kommunalpolitik. Kann die helfen? "Das ist eine sehr, sehr gute Frage", sagt Schumann. Autobahnen seien Sache des Bundes. Aber: "Die Landesstraße, über die wir hier reden, ist Landes-Sache."

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Serie: Geht doch! Wie Hessens Kommunen Probleme lösen

Ob Leerstand, Einkaufsmöglichkeiten, medizinische Versorgung oder ÖPNV: In unserer Serie blicken wir auf Themen, die viele Menschen in Hessen betreffen und die daher auch im Kommunalwahlkampf eine Rolle spielen. Wir zeigen, wie Kommunen damit umgehen und wo bereits Lösungen für die Herausforderungen gefunden wurden.
Teil 1: Rauschenberg: Mit Nahwärme gegen den Leerstand
Teil 2: Münster-Altheim: Arthaus statt Rathaus
Teil 3: Nüsttal: Mit dem Dorf-Funk für Zusammenhalt sorgen
Teil 4: Breitscheid: Ein Gesundheitszentrum für den ländlichen Raum
Teil 6: Taunusstein: Den Wert des Waldes neu bemessen

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Die Kommunalpolitik habe allerdings einen Vorteil, meint Schumann: „Sie reden mit den Menschen, sie kennen die Menschen und sie spüren hier wirklich das Leid der Menschen und das kommt auch an.“ Insofern ist er optimistisch, dass die Kommunalpolitik helfen wird, besseren Lärmschutz nach Edermünde zu bringen. Andere sind da weniger hoffnungsfroh.

Mehr Jobs oder einfach weniger Flächen?

Auch das zweite wichtige Thema in Edermünde hängt mit dem Verkehr zusammen: Ein großer Lebensmittel-Konzern will auf 180.000 Quadratmetern Ackerland in der Umgebung ein zweites großes Logistik-Zentrum bauen. Das könnte noch mehr Lastwagen bedeuten.

Andrea Gerhold steht diesem Plan skeptisch gegenüber. Sie bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Mann im Nebenerwerb einen 200 Jahre alten Bauernhof. "Ich möchte, dass auch in 20 Jahren mein Essen noch hier in der Region wächst. Und ich möchte nicht, dass weiter Flächen versiegelt werden", sagt Gerhold.

Noch ist keine Entscheidung gefallen, ob das Ackerland zugunsten der Logistik-Halle verschwinden soll. Das könnte mehr Gewerbesteuer und Arbeitsplätze bringen, sagen Befürworter. "Die werden da sicher in neueste Technologien investieren, da werden nicht wahnsinnig viele Arbeitsplätze bei 'rumkommen", ist sich hingegen Gerhold sicher.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.3.2021, 6-9 Uhr

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