Halima Gutale, Integrationsbeauftragte der Stadt Pfungstadt

Vor fünf Jahren kamen viele Geflüchtete nach Deutschland. Am Beispiel Pfungstadts blicken wir auf die Folgen und Herausforderungen, die das mit sich bringt. Wie gelingt etwa die Integration? Wir haben die Integrationsbeauftragte der südhessischen Stadt gefragt.

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Momentan kann Halima Gutale vor allem per Telefon beraten. Das kleine Büro der Integrationsbeauftragten im Gebäude der Stadtverwaltung ist verwaist, Corona hat ihr den direkten Kontakt mit den Leuten unmöglich gemacht. Auch Hausbesuche sind nicht möglich.

Das war vor ein paar Monaten noch anders. Anfang Februar zum Beispiel war sie auf dem Weg zu einer frisch gebackenen Mutter aus Syrien. Seit fünf Jahren kennt sie diese Familie und hat ihr dabei geholfen eine Wohnung zu finden. Den Kontakt hat sie seitdem gehalten. So wie zu vielen Menschen, die vor fünf Jahren nach Pfungstadt kamen. Wer mit ihr unterwegs ist, hat es schwer, vorwärts zu kommen.

Wichtige Ansprechpartnerin

Die kleine quirlige Frau mit den wachen dunklen Augen und dem bunten Turban scheint in Pfungstadt so ziemlich jeder zu kennen. Noch im Geschäft trifft sie zwei alte Bekannte – zwei Frauen, die eine Afghanin, die andere Kurdin. Eine herzliche Begrüßung, schnell geht es um Arbeit, die Männer, die Wohnsituation. Themen, die ihr tägliches Geschäft sind als Integrationsbeauftragte.

Für viele Frauen ist sie eine wichtige Ansprechpartnerin geworden. Auch in sehr intimen Fragen: "Wenn Frauen zu mir kommen und verhüten wollen, ohne dass der Ehemann es mitbekommt." Das war noch anders vor fünf Jahren. Damals ging es in erster Linie um Versorgung, Unterbringung und finanzielle Unterstützung. Halima Gutale nennt es die "3 S-Phase: „sauber, satt und save."

"Wir müssen sagen, was zu tun ist"

Hat Integration seither funktioniert? Halima Gutale wird nachdenklich. Die Frage ist nicht so schnell zu beantworten. Geflüchtete seien zunächst orientierungslos, wenn sie hier ankommen, und wüssten nicht, wie das System funktioniere. Die Aufgabe der Gesellschaft sei es, das zu erklären, sagt Gutale. "Wir müssen sagen, was zu tun ist, und das fehlt." Vor allem an Ressourcen und Zeit.

Neben dem Erklären sei es aber auch wichtig, Grenzen aufzuzeigen – nur so könne Integration funktionieren. Ihr fällt es nich schwer, hier Klartext zu reden: "Ich bin nicht bereit, weil du beschränkte Gedanken hast als Mann, und glaubst, du bist das bessere Geschlecht, dass du deine Frau unterdrückst", sagt sie. "Nein, das ist so, wir haben hier klare Regeln. Willkommen in Deutschland!"

Glaubwürdig durch eigene Erfahrung

Was Halima für viele Menschen dabei so glaubwürdig macht: Sie spricht aus eigener Erfahrung. Vor 30 Jahren kam sie als Jugendliche von Somalia nach Europa. Alleine. Was ihr damals geholfen hat, um hier anzukommen: "Mein Ehrgeiz und Leute, die hier vor Ort da waren und die mir gesagt haben, geh deinen Weg und wir begleiten dich."

Und sie ist ihren Weg gegangen, hat eine Familie gegründet und ist eine bekannte Person in Pfungstadt geworden - die nun die begleiten kann, die vor fünf Jahren noch ohne Plan hier ankamen. Bei vielen ist ihr das bereits gelungen, bei einigen noch nicht.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 14.5.2020, 6 bis 9 Uhr

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