Strenge Einlassbedingungen Haupteingang der Frankfurter Uniklinik.

Spätestens als die Coronakrise in Italien immer heftigere Ausmaße annahm, machte sich auch in Deutschland die Angst breit. Ist unser Gesundheitssystem für so etwas gerüstet? hr-iNFO fragt in Krankenhäusern nach, wie sie die derzeitige Situation erleben.

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Teil 1: Der Krisenstab der "Helios Dr. Horst Schmidt Klinik" in Wiesbaden

Ralf Kiesslich ist der Ärztlicher Direktor der "Helios Dr. Horst Schmidt Klinik" in Wiesbaden. Als Leiter des Krisenstabs dort ist er auch verantwortlich dafür, dass sich das große Krankenhaus mit seinen rund 860 Betten gut einstellt auf die Corona-Pandemie. In den vergangenen Wochen haben er und seine Mitarbeiter alles dafür getan, jetzt kommt es drauf an.

"Habe keine Angst mehr"

"Man ist natürlich auch immer Mensch und hat Angst um seine Familie, um seine Kinder. Davon kann man sich gerade am Anfang nicht freimachen, wenn man sich diese Bilder aus Italien oder New York vor Augen führt. Wenn man sich das Ganze aber von medizinischer Seite anschaut, dann merkt man schnell, dass diese Welle, die auf uns zukommt, eben viel, viel kleiner ist und dass wir mit dieser Situation sehr gut umgehen können. Deshalb habe ich jetzt keine Angst mehr."

Ralf Kiesslich

Es ist eine gute Vorbereitung und das Glück, dafür genug Zeit gehabt zu haben, die Kiesslich jetzt ein wenig aufatmen lassen. Die letzten Tagen und Wochen waren anstrengend. Da war die große Angst, nicht genügend Intensivbetten und Beatmungsgeräte zu haben. Die Ungewissheit darüber, wie schnell wie viele Schwerkranke kommen würden.

Ein Kraftakt für alle

"Hier an unserer Klinik in Wiesbaden haben wir normalerweise 24 Beatmungsplätze. Und die haben wir aus Sorge vor der Krise auf 69 Beatmungsplätze gesteigert", sagt Kiesslich. Ein eigener Intensiv-Bereich für Covid-19 Patienten wurde geschaffen. Ein Kraftakt für alle. "Dazu brauchen sie auch Personal, brauchen Sie Technik. Das haben wir in sehr kurzer Zeit eben einerseits schulen müssen das Personal oder auch Beatmungsgeräte wieder flott machen, wie wir eigentlich gar nicht mehr nutzen wollten und auch neue Beatmungsgeräte gekauft."

Derzeit werden 17 mit dem Coronavirus infizierte Menschen behandelt, fünf von ihnen müssen beatmet werden. Also: Noch kein Engpass in Wiesbaden, insgesamt droht den Krankenhäusern in Hessen keine Überlastung. Auch die Ausstattung mit Masken und Schutzausrüstung für seine Mitarbeiter ist derzeit sichergestellt, sagt Kiesslich. Und doch sind es die Menschen, die im Krankenhaus arbeiten, um die er sich aktuell Sorgen macht. "Ich muss ja dafür sorgen, dass all meine Mitarbeiter einsatzbereit bleiben. Und wir sehen in Einzelfällen, das sich eben auch Mitarbeiter anstecken können." Deshalb ist Fiebermessen vor Dienstbeginn inzwischen obligatorisch, auch für den ärztlichen Direktor selbst.

"Wie ein Stresstest für den Körper"

Wer Fieber hat, muss sich bei der Arbeitsmedizin melden und zuhause bleiben. Die Klinik ist inzwischen so umgebaut, dass alle Patienten mit Erkältungssymptomen in eine eigene Station kommen, wo sie auch nur von einem bestimmten Team behandelt werden. Außerdem gibt es davon getrennt die Station für bestätigte Covid-19 Fälle. Inzwischen gilt auch, dass alle Mitarbeiter, die das Haupthaus betreten, einen Mundschutz tragen müssen.

Kiesslich und sein Krisenstab beurteilen die Lage jeden Tag neu. Die Arbeitstage sind derzeit lang. Aber der Direktor hat derzeit das Gefühl, dass sich all die Arbeit lohnt. Und er selbst? Macht das Beste draus. "Ich fahre noch lieber mit dem Fahrrad zur Klinik, weil man ja etwas trainieren sollte. Das gilt übrigens für alle: Etwas Training hilft, denn Covid ist wie ein Stresstest für den Körper. Und wenn der recht gut in Schuss ist, dann ist die Gefahr, dass es einen schweren Verlauf gibt noch mal geringer."

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Zum Artikel Serie: Diagnose Corona (1) - Der Krisenstab der Helios Dr. Horst Schmidt Klinik Wiesbaden

Ralf Kiesslich
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Zum Artikel Serie: Diagnose Corona (2) - Arbeiten in der Covid-19-Station der Uniklinik Frankfurt

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Zum Artikel Serie: Diagnose Corona (3) - Das St. Vincenz Krankenhaus in Limburg

Dr. Peter Sahmer, St-Vincenz Krankenhaus Limburg
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Zum Artikel Serie: Diagnose Corona (4) - Uniklinik Frankfurt: Vorsichtiges Aufatmen

Portrait Frau mit Zopf und Brille
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Sendung: hr-iNFO Aktuell, 17.04.2020, 6-9 Uhr

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