Fleisch eingelegt

Nach den Skandalen in der deutschen Fleischindustrie war der Aufschrei groß: Viele Menschen wollten verstärkt auf die Qualität von Fleisch achten. Aber wie nachhaltig ist dieser Vorsatz?

Die kleine Metzgerei Martus im Frankfurter Stadtteil Preungesheim ist gut besucht. Eine Warteschlange steht vor dem Geschäft und wartet auf Einlass. Die meisten der Wartenden sind Stammkunden. Gleich vier Fleischfachverkäuferinnen und -verkäufer stehen hier hinter der Theke. Und die braucht es auch, erklärt Guido Bartel, der seit 15 Jahren in der Metzgerei arbeitet.

Denn durch die ganzen Skandale in der Fleischbranche würden immer mehr Menschen auf Qualität achten. "Natürlich, es gibt Zuwachs. Dadurch, dass der Kunde die Nachvollziehbarkeit gerne haben möchte, was im Supermarkt halt einfach nicht gegeben ist", so Bartel.

Der Schein trügt

Der Kundenzulauf in der Metzgerei setzt sich größtenteils aus einer jungen und kritischen Kundschaft zusammen, erklärt Bartel: "Die meistgestellte Frage ist natürlich: Woher beziehen wir unser Fleisch? Und was für Fleisch haben wir?". Viele der Menschen, die nach ihrem Konsumverhalten gefragt wurden, kaufen Fleisch schon lange nicht mehr nur im Supermarkt.

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Schweine hängen in einem Schlachthof
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Doch der Schein, dass die Menschen nach einem Skandal wie bei Wilke oder Tönnies bewusster einkaufen, trügt: "Die Fleischskandale führen immer dazu, dass es nur kurzfristige Auswirkungen gibt", erklärt der Konsumpsychologe Hans-Georg Häusel. Kurzfristig kaufe der Konsument etwas weniger. "Aber schon nach relativ kurzer Zeit geht er wieder in sein normales Alltagsverhalten über."

Häusel geht davon aus, dass auf lange Sicht Fleisch sowieso fast komplett von unserem Speiseplan verschwinden werde. Die fleischfreie Ernährungsbewegung sei im Vormarsch, so Häusel: "Sie geht bei jungen, eher gebildeten Frauen los - das sind im Gesundheitsbereich und im Ernährungsbereich immer die Avantgardistinnen – und geht dann ganz langsam in die Bevölkerung rein, bis sie irgendwann mal die alten Männer erreicht."

Fleischkonsum ist rückläufig

Solange aber noch Fleisch gegessen wird, scheitert ein Gang zur Metzgerei um die Ecke oder auf den Wochenmarkt häufig schon am Preis. Wenn man es sich nicht leisten kann, dann ändert man sein Konsumverhalten wahrscheinlich nicht langfristig. Und die Preise für qualitativ hochwertige und faire Produkte sind nun mal höher als für Fleisch- und Wurstwaren aus der Massenfleischindustrie.

Seit Jahren ist der Fleischkonsum in Deutschland jedoch rückläufig. Geringfügig zwar nur, aber doch pro Jahr etwa ein bis zwei Prozent, erklärt Konsumpsychologe Häusel: "Der Durchschnittskonsument isst im Jahr an die 60 Kilo Fleisch und das nimmt jedes Jahr ab, das heißt also jedes Jahr ein Pfund weniger."

Sendung: hr-iNFO, Das Thema, 05.10.2020, 06 bis 09 Uhr

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