Eine Polizeistreife kontrolliert in Bremen das Kontaktverbot

In den vergangenen Tagen und Wochen haben Bundesländer und Bundesregierung das öffentliche Leben in Deutschland nach und nach immer weiter eingeschränkt. Nicht immer ganz einheitlich. Eine Chronik.

8. März

Die ersten Empfehlungen um Kontakt zu vermeiden, kommen von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU): Er schlägt vor, Großveranstaltungen von über 1.000 Menschen abzusagen. Vier Tage später zieht Hessen nach: Alle Sportveranstaltungen, Kongresse, Messen, Tagungen, Theater und Konzerte mit mehr als 1.000 Personen werden abgesagt.

13. März

Die meisten Bundesländer kündigen an, Schulen und Kitas zu schließen. So auch Hessen. Besuche in Altenheimen und Kliniken werden eingeschränkt. "Wir haben jetzt noch eine Chance, diese explosionsartige Entwicklung wie wir sie in Italien erlebt haben, jedenfalls bei uns zu dämpfen. Die nächsten 4,5 Wochen sind zentral", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Einen Tag später ziehen alle übrigen Bundesländer nach. Für wie lange Schule und Kitas geschlossen bleiben, das entscheidet jedes Bundesland selbst.

16. März

Die Bundesregierung hat gemeinsam mit den Ländern weitreichende Maßnahmen vereinbart: Bars, Clubs, Theater, Museen, Kinos, Zoos, Sporteinrichtungen und Spielplätze müssen vorerst schließen. Geöffnet bleiben dürfen Lebensmittelläden, Wochenmärkte, Lieferdienste, Apotheken, Drogerien, Banken und Tankstellen. "Es ist ernst. Nehmen sie es auch ernst", sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zwei Tage später in ihrer Fernsehansprache.

20. März

Jedes Bundesland trifft eigene Regelungen. Deutschland gleicht einem Flickenteppich an Maßnahmen. Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg verbieten Versammlungen von Kleingruppen. In Hessen dürfen nur fünf Personen zusammenkommen. Außerdem werden Restaurants und Cafés geschlossen.

Bayern geht noch weiter: Menschen dürfen das Haus nur noch verlassen, wenn es absolut notwendig ist. Zum Beispiel um einzukaufen, zum Arzt oder auf die Arbeit zu gehen. Das sind die härtesten Maßnahmen in ganz Deutschland. "Wir sperren Bayern nicht zu. Wir sperren Bayern nicht ein. Aber wir fahren das öffentliche Leben in Bayern nahezu vollständig runter", so Markus Söder (CSU) über die bayerischen Ausgangsbeschränkungen. Für diesen Alleingang wird er von anderen Bundesländern scharf kritisiert.

22. März

Die Bundeskanzlerin trifft sich mit den Ministerpräsidenten der Länder. Es sollen einheitliche Maßnahmen für ganz Deutschland beschlossen werden. Doch hinter den Kulissen kracht es. Während Bayern, das Saarland und Baden-Württemberg für stärkere Beschränkungen sind, lehnen andere Bundesländer Ausgangssperren strikt ab. "Wir sorgen dafür, dass in ganz Deutschland die gleichen Regeln gelten. Viele Bürger haben uns wissen lassen, dass sie sich diese Klarheit auch im föderalen Staat wünschen", sagt die Bundeskanzlerin.

Bund und Länder einigen sich auf ein umfangreiches Kontaktverbot. Seit dem 23. März darf man sich nur noch maximal zu zweit im öffentlichen Raum aufhalten. Dabei muss ein Abstand von mindestens 1,50 Meter eingehalten werden. Der Weg zur Arbeit, der Notbetreuung oder individueller Sport an der frischen Luft sind gestattet. Die Regelungen gelten für zwei Wochen. Vorerst.

1. April

Bund und Länder wollen die bestehenden Regeln wegen der Corona-Krise mindestens bis zum 19. April verlängern. Das teilt Merkel nach einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder mit.

In fast allen Bundesländern enden am 19. April Tag die Osterferien der Schüler. Einzelne Länder, als erstes Bayern, hatten die Beschränkungen zuvor bereits bis einschließlich 19. April verlängert.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 30.3.2020, 6-9 Uhr

Jetzt im Programm