Eine Seniorin mit einem Gehstock sitzt hinter dem Steuer eines Autos
Sicherheit vs. Lebensqualität - die Debatte um Fahrtauglichkeitstests für Senioren wird breit geführt Bild © picture-alliance/dpa

Bundesverkehrsminister Scheuer hat sich gegen verpflichtende Verkehrstests für ältere Autofahrer ausgesprochen. Er setze auf Eigenverantwortung. Eine gute Idee? Unsere Autoren sind unterschiedlicher Meinung.

Pro: Jeder verhinderte Unfall ist positiv

von Christopher Jähnert

Ich halte es eigentlich für eine gute Idee, regelmäßig die Fahrtüchtigkeit zu überprüfen. Der Verkehrsminister sagt zwar, er wolle da eher auf Eigenverantwortung setzen, aber das kann eigentlich nicht die Lösung sein. Denn wer gibt schon freiwillig zu, dass er langsamer oder die Augen schlechter geworden sind, oder dass man ab und zu nicht mehr ganz so aufmerksam ist? Eben. Selbst wenn das einige tun, viele tun das eben nicht. Mit einem regelmäßigen Test hätte man aber klare Kriterien, die dann jeder erfüllen muss. Und wenn dann jemand durchfällt, dann hat das auch seinen Grund.

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Jetzt sagt der Verkehrsminister aber auch, Unfälle könnten einem 21-jährigen Fahrer genauso passieren wie einer 81 Jahre alten Fahrerin. Ja, das ist wohl richtig, aber was bitte ist das für ein Argument? Nur weil der eine Unfälle baut, darf der andere das auch? Naja. Und ein fehlender Führerschein muss ja auch nicht unbedingt bedeuten, dass man von der Außenwelt abgeschnitten ist. Auch da kann man sich mit Sicherheit Lösungen überlegen: zum Beispiel ein kostenloses Ticket für den Nahverkehr oder Gutscheine für Taxis. Wie auch immer man das am Ende löst, die Diskussion darüber sollte man nicht einfach abwürgen. Sie muss geführt werden. Jeder Unfall weniger ist erst mal positiv.

Contra: Nehmt den Senioren nicht die Lebensqualität

von Horst Kläuser

Na, wann haben Sie zuletzt von einem 83-jährigen und einem 79-jährigen Raser gehört, die sich ein Wettrennen liefern? Und wie lange ist es her, dass Oma volltrunken aus der Disko kam? Rücksicht im innerstädtischen Verkehr sehe ich eher bei älteren Verkehrsteilnehmern: ein freundliches Winken, ein Vorfahrtgewähren. Lasst den alten Leuten ihren Führerschein! Sie haben Erfahrung, meist genügend Zeit, um nicht zum nächsten Meeting hetzen und drängeln zu müssen, sie brauchen - erst recht auf dem Land - ihr Auto, um zum Arzt, zum Einkaufen oder zum Babysitten der Enkeltochter zu kommen. Sie wollen in den Schrebergarten oder in den Stadtpark.

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Scheuer lehnt verpflichtende Tests für Senioren ab. [mehr auf tagesschau.de]

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Wenn die Alten bei einem Seniorentest für Autofahrer durchfielen, nähme man ihnen ein Stück Freiheit und Lebenslust, aber man machte den Verkehr nicht wirklich sicherer. Denn Unfälle, die Alte machen, sind selten. Sie laufen meist glimpflicher ab, das sind meist Kratzer oder mal ein verbeulter Kotflügel. Sie fahren in der Stadt oder mal ein paar Kilometer Landstraße, aber sie drängeln nicht auf der Autobahn. Und wenn sie sich wirklich nicht mehr hinters Steuer setzen sollten: Ich habe den Eindruck, Senioren sind viel einsichtiger als Heißsporne jeden Alters.

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Sendung: hr-iNFO, 06.02.19, 13:10 Uhr

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