Menschen gehen in ein Impfzentrum in den Messehallen

Immer wieder lassen Deutsche ihren Impftermin gegen das Coronavirus verstreichen. Die vorbereiteten Impfdosen verfallen. Nun ist eine Debatte entbrannt, ob solche Impfmuffel bestraft werden sollten.

Pro Strafen:

Von Nina Barth

Es ist noch immer so, dass zurzeit nicht jeder, der möchte, einen Impftermin bekommt. Der Impfstoff ist nicht mehr so knapp wie vor ein paar Wochen, aber knapp ist er immer noch. Wer in dieser Zeit einen Impftermin verstreichen lässt, ohne ihn abzusagen, der handelt egoistisch und unsolidarisch. Ein Bußgeld wäre der richtige Schritt.

Es ist schlicht nicht akzeptabel, dass sogar Impfstoff entsorgt werden muss, weil Leute einfach nicht zum vereinbarten Termin kommen. Es sollte ja wohl für niemanden ein Problem sein, zum Hörer zu greifen und einen Termin abzusagen – oder das mit ein paar Klicks online zu tun.

Gegner des Bußgeldes für Impfschwänzer sagen, lieber auf Impf-Anreize setzen als auf Strafen. Das eine schließt das andere aber doch nicht aus. Denn Impf-Anreize sind das eine – ein verantwortungsvoller Umgang mit einem vereinbarten Termin ist das andere. Es ist doch wirklich nicht zu viel verlangt, einen Termin abzusagen.

Contra Strafen:        

Von Uwe Lueb

Mir kommt das typisch Deutsch vor: Wer sich nicht korrekt verhält, bekommt eine Strafe aufgebrummt. Klar ist es nicht gut, wenn womöglich sogar Impfstoff verfällt, weil jemand ohne abzusagen nicht zu seinem gebuchten Termin erscheint. Aber ein Bußgeld ist der falsche Weg, hat etwas von Zucht und Tadel, von kleinlicher Rache. Ob dann mehr ihren Termin wahrnehmen als bislang, ist zudem nicht ausgemacht.

Dazu kommt: Bußgeld einzutreiben ist ein Verwaltungsakt – erfordert Personal und beschäftigte vermutlich auch noch Gerichte. Sinnvoller wäre ein anderer Umgang mit den Terminen. Warum nutzt man nicht eine digitale Warteschlange, in die sich jede und jeder Impfwillige eintragen kann. Bleibt ein Termin unbesetzt, rückt jemand von der Liste nach. Solche Systeme gibt es längst.

Statt Zwang und Bußgeld also bitte etwas mehr Fantasie und Aufklärung. Je geschärfter das Bewusstsein für diesen beispiellosen Kampf gegen die Pandemie, desto größer vermutlich auch die eigene Verantwortung.  

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