SpaceX Shuttle vor Sonnenuntergang

Es wird ein historischer Moment der US-amerikanischen Raumfahrt sein: Zum ersten Mal starten NASA-Astronauten in einem Spaceshuttle eines kommerziellen Anbieters. Das macht sich nicht nur am Design bemerkbar.

NASA-Chef Jim Bridenstine ist stolz: Zum ersten Mal seit dem Ende der Space Shuttles sollen wieder amerikanische Astronauten von den USA aus ins All gebracht werden. "Ganz Amerika kann einen Moment lang auf unser Land schauen, wie es wieder etwas atemberaubendes tut", sagt er.

Doug Hurley und Bob Behnken sollen um 22:33 Uhr deutscher Zeit von Cape Canaveral aus ins All starten. Mit ihrer neuen Raumkapsel „Crew Dragon“ auf einer Falcon 9 Rakete, beide vom Raumfahrtunternehmen SpaceX des Tesla-Besitzers Elon Musk. Auch das ist ein Novum: Zum ersten Mal lässt die NASA damit einen kommerziellen Anbieter die eigenen Astronauten fliegen. Doug Hurley ist von der Zusammenarbeit begeistert: "Die Art, wie die ihr Geschäft betreiben, wie schnell die Dinge verändern, wie innovativ die sein können - das war wunderbar."

Mehr Enterprise als Apollo

Hurley ist ein erfahrener Astronaut, war selbst auf dem letzten Flug des Space Shuttle 2011. Aber auch äußerlich ist die Veränderung spürbar und deutlich sichtbar: Elon Musk legt Wert auf Design. So wie auch bei Tesla-Autos bestimmen nicht die Ingenieure, wie etwas aussieht. Von der Innenausstattung der Kapsel bis zu den auf Taille geschnittenen Raumanzügen und stylischen Helmen ähnelt Raumfahrt jetzt mehr der Enterprise als der Apollo.

Aber natürlich geht es der NASA nicht darum, sondern wieder eigenständig auf dem Markt zu sein. "Es war eine harte Zeit für NASA und das Kennedy Space Center", sagt Bridenstine - als Raumfahrtnation nur bei den Russen mitfliegen zu können. Das soll jetzt wieder anders werden, und mit dem kommenden Mondprogramm will man auch wieder Maßstäbe setzen.

Gleiche Rampe wie Apollo 11

Offiziell ist der Flug zur Internationalen Raumstation ein Testflug. Es geht darum zu zeigen, dass das Fahrzeug funktioniert, dass die Abläufe stimmen, dass die Systeme zusammen passen. Nicht von ungefähr haben sowohl Hurley als auch Bob Behnken ihre Karrieren als Testpiloten begonnen. "Wenn es einen Traumjob auf der Liste gäbe, dann wäre es, an Bord eines neuen Raumschiffs zu sein", so Behnken. In einem aber knüpft die NASA bewusst an alte Traditionen an: Die Crew Dragon startet von der Rampe 39 Alpha des Kennedy Space Center. Von dort flog die Apollo 11 zum Mond.

Wie lange die beiden Astronauten auf der Raumstation bleiben werden, ist offen. Es können sechs Wochen sein, es können auch drei Monate werden, bis alle Tests abgeschlossen sind, so die NASA. Und außerdem könnten sich die beiden Astronauten auf der ISS nützlich machen, bis im August die erste Crew mit einem regulären Arbeitsflug ankommt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 27.5.2020, 6 bis 9 Uhr

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