Arbeitslose stehen in einer Schlange vor einem Arbeitsamt.
In Spanien noch immer kein ungewohntes Bild: Arbeitslose stehen in einer Schlange vor einem Arbeitsamt. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die spanische Wirtschaftskrise ist vorbei. Das zumindest suggerieren die Arbeitslosenzahlen, die sich seit 2013 drastisch reduziert haben. Von einer Entspannung des Arbeitsmarktes kann aber keine Rede sein.

"Es ist mir eine Ehre, ein besseres Spanien zu hinterlassen als das, was ich vorgefunden habe", so die Abschiedsworte von Spaniens früherem Ministerpräsidenten Mariano Rajoy vor einigen Wochen, kurz nach dem erfolgreichen Misstrauensvotum. Zumindest die Zahlen geben ihm recht: 2013, auf dem Höhepunkt der spanischen Wirtschaftskrise, waren zeitweise knapp über fünf Millionen Spanier arbeitslos gemeldet. In diesem Juni waren es dagegen nur noch gut drei Millionen.

"Wir haben die Jobs zerstückelt"

Mittlerweile zahlen wieder so viele Menschen in die Sozialversicherungen ein wie vor der Krise.  Von Optimismus ist bei vielen jungen Spaniern trotzdem wenig zu spüren.

Der 25-Jährige Victor Reloba war bis vor kurzem Vizepräsident des spanischen Jugendrats. Die Jugendarbeitslosigkeit sei zwar leicht zurückgegangen, sagt er, doch noch immer sei jeder dritte junge Spanier ohne Arbeit. "Es stimmt nicht, dass sich in Spanien die Beschäftigung wieder normalisiert hat. Vielmehr haben wir die Jobs zerstückelt. Wo es früher einen Vollzeitjob mit vollen Rechten gab, gibt es heute Teilzeitjobs, begrenzte Jobs, prekäre Jobs."

Hauptsache Arbeit

Tausend Euro im Monat seien inzwischen auch für Gutausgebildete oft das höchste der Gefühle. Verträge seien zu 90 Prozent befristet und umfassten oft nur Wochen oder Tage. Und trotzdem sei selbst der Andrang auf diese prekären Jobs groß.

Solche Jobs gibt es gerade auch im Tourismusbereich. Hier kommen viele junge Menschen unter. Spanien hat seine relativ guten Arbeitsmarktzahlen auch dem boomenden Tourismus zu verdanken. Und nach wie vor zieht es viele junge Spanier ins Ausland – auch nach Deutschland – in der Hoffnung, dort eine Anstellung zu finden.

Sendung: hr-iNFO, 16.07.2018, 15.40 Uhr

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