Basketball mit Corona-Mundschutz

Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen viele Sportvereine in Hessen sinkende Mitgliederzahlen. Das bedeutet weniger Einnahmen durch Beiträge und ist somit für viele existenzbedrohend. Weil die Hilfen vom Staat nicht greifen, appellieren die Vereine nun an die Politik, ihnen mehr Vertrauen entgegenzubringen.

Fast ein Jahr kaum Training, keine Treffen und vor allem - wenig Sport. Das macht vielen Vereinen zu schaffen - auch in Hessen. Beim KSV Baunatal schlägt das nicht nur auf die Stimmung, auch die Mitgliederzahlen sind im vergangenen Jahr drastisch zurückgegangen. "Wir hatten am Jahresanfang einen Rückgang von knapp 10 Prozent zu verzeichnen im Vorjahresvergleich und liegen jetzt Anfang März schon bei einem Rückgang von ungefähr 16 Prozent", sagt Timo Gerhold, Vorstand beim KSV.

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Ein Fußball mit Mundschutz liegt in der Abenddämmerung auf einem Spielfeld.
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16 Prozent - das sind fast 1.300 Mitglieder weniger. In nur einem Jahr. "Eine sehr bedenkliche und sehr dynamische Entwicklung, die uns große Sorge bereitet", so Gerhold. Und damit sind die Baunataler nicht allein. Eine Erhebung des Landessportbundes zeigt, in ganz Hessen treten die Menschen aus den Sportvereinen aus. Besonders betroffen sind all jene Clubs, die sich als Dienstleister verstehen - also, große Vereine, die oft noch ein Fitnessstudio oder gar ein eigenes Schwimmbad betreiben.

Laufende Kosten bleiben

Und auch deshalb hohe laufende Kosten haben. "Und diese Kosten laufen jetzt weiter und es fehlen einfach die Deckungsbeiträge durch die entsprechenden Beitragseinnahmen", schildert der Vereinsvorstand. So geht es nicht nur dem KSV Baunatal. Auch die FTG Frankfurt spürt die Folgen der Corona-Pandemie - nicht nur bei den Mitgliederzahlen. "Sie müssen sich vorstellen, dass uns alleine hier im Haus, in dem sich das Fitnessstudio befindet, ein Betrag monatlich fehlt, der einem gut ausgestatteten Mittelklasse-Fahrzeug entspricht", erzählt Holger Wessendorf, der Geschäftsführer der FTG.

Das Problem - die finanziellen Nöte der großen Sportvereine werden durch Hilfen von Land und Bund nicht aufgefangen - denn so lang es noch eigene Rücklagen gibt, können Unterstützungen nicht in Anspruch genommen werden. Wie lange kann das noch gut gehen? "Im Augenblick kommen wir noch ganz gut über die Runden, weil wir viele Kostentreiber eingefroren haben, aber die eigentlich brisante Zeit kommt dann erst mit der Öffnung nach dem Lockdown. Weil dann alle Kosten wieder aufschlagen", so Gerhold vom KSV.

Appell für mehr Vertrauen

Timo Gerhold hofft trotzdem, dass es bald wieder losgeht. Auch wenn er weiß, dass dem KSV Baunatal dann nochmal eine schwere Zeit bevorsteht. "Ganz klar: Wir freuen uns riesig auf einen Re-Start und alle schachern schon mit den Hufen, um wieder auf den Platz gehen zu können oder aufs Laufband oder ins Schwimmbad", sagt der Vereinsvorstand.

Genau so geht es auch all jenen, die bei der FTG Frankfurt trainieren: "Ich kenne sehr viele, die mich ansprechen und fragen: 'Wann geht es denn wieder los – weißt du mehr als wir?'" Weiß Geschäftsführer Wessendorf natürlich nicht. Und auch Timo Gerhold vom KSV Baunatal nicht. Er aber hat einen Wunsch: "Ich appelliere an die Politik und ich plädiere auch darauf, dass man den Vereinen mehr Vertrauen schenkt in der Öffnung der Sportangebote. Denn wenn man überlegt, wer wirklich gut darin ist, Regel zu vermitteln, auch Regeln einzuhalten – dann sind es doch die Trainer und Trainerinnen in den Sportvereinen."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 03.03.2021, 6 bis 9 Uhr

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