Andreas Scheuer

112 Lungenärzte kritisieren die Grenzwerte für Autoabgase und lassen die Diskussionen rund um Diesel-Fahrverbote in den Innenstädten neu hochkochen. Einer freut sich besonders darüber: Verkehrsminister Andreas Scheuer.

Wie Kai aus der Kiste tauchen plötzlich 112 Lungenärzte auf und sagen, dass die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxid wissenschaftlich ja gar nicht belegbar sind - und schon sind wir mitten in einer Debatte, in der jeder Politiker munter drauf los plappert.

An der Spitze: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Der hat am Donnerstag im Frühstücksfernsehen erzählt, dass er die bisherige Debatte "schon sehr skurril" findet. Auf Deutsch: Diese ganzen Gesundheitsapostel haben wohl nicht alle Tassen im Schrank. Stattdessen sind nun laut Scheuer "über 100 Wissenschaftler" am Start. Damit hat unser Verkehrsminister 100 Ärzte mal schnell in den Rang von Wissenschaftlern erhoben. Klingt ja auch besser als Internist.

Verunsicherung macht sich breit

Scheuer will jetzt noch mal die Standorte der Mess-Stationen für Feinstaub prüfen lassen. Er will "vernünftige Standorte" finden. Das implementiert: Bisher stehen sie offenbar an unvernünftigen Standorten. Also an der Straße. Und zum Schluss dankt Scheuer noch den Ärzten, dass sie mit ihrem Schritt "Sachlichkeit und Fakten" in die Debatte bringen.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Die Menschen sind verunsichert, weil sie nicht mehr wissen, wem man glauben kann. Weil wissenschaftliche Studien von internationalen Institutionen, die diese Grenzwerte empfohlen haben, geleugnet werden. Verunsicherung und Verunglimpfung von Andersdenkenden ist das kleine Einmaleins der Populisten. Nun kräht jeder seine Meinung - und am lautesten Verkehrsminister Andreas Trump.

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Sendung: hr-iNFO, 24.1.19, 16:10 Uhr

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