Reiserückkehrer am Flughafen.

In der Debatte um Reisen in Corona-Risikogebiete kommt ein neuer Vorschlag aus dem Bundesinnenministerium: Staatssekretär Günter Krings fordert, man solle über eine Anzeigepflicht für solche Reisen nachdenken. Unserem Autor ist das ein Schritt zu viel.

Ehrlich gesagt, geht mir das jetzt zu weit. Eine Verpflichtung zum Corona-Test bei Rückkehr aus Risiko-Gebieten ist zwar in Ordnung. Eine Quarantäne bei Rückkehr aus Risiko-Gebieten finde ich ebenfalls OK. Aber eine Vorab-Meldung, wenn Leute in ein solches Risiko-Gebiet fahren wollen, ist eine Umdrehung zu viel. Der Staat soll demnach vorher wissen, wohin seine Bürger reisen wollen – mit der Begründung, dass der Infektionsschutz das erfordern würde? Das ist mir zu nah am Überwachungsstaat. 

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Ich finde, so eine Forderung vernachlässigt auch die Interessen der Menschen nach Schutz der Gesundheit generell. Niemand geht doch mit der Absicht auf eine Reise, sich selbst oder andere zu gefährden. Aus meiner Sicht spricht aus der Forderung eine diffuse Angst, das ist nie gut. Wir brauchen jetzt eigentlich mehr Besonnenheit und Wachsamkeit.

Bitte keine Überwachung

Mal abgesehen von dem bürokratischen Aufwand, den es bedeuten würde, eine Vorab-Meldung für Risiko-Reisen einzuführen. Die Gesundheitsämter haben genug zu tun mit realen Fällen. Die Risiko-Einschätzung sollten wir alle persönlich vornehmen und auch ernst nehmen. Statt sie ans Gesundheitsamt weiterzugeben.

Das Bundesinnenministerium sollte an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren, so wie es der Gesundheitsminister tut. Wachsamkeit ja, aber keine Panik. Das sollte der vorherrschende Ton sein. Und bitte keine Überwachung.

Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 10.8.20, 12-15 Uhr

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