Haare schneiden
Vorher-Nacher-Styling bei "service: trends" Bild © Colourbox.de

Ihr Einsatz auf dem Acker ist umstritten, im Haar haben sie definitiv nichts zu suchen: Pestizide. Doch genau dort befinden sie sich laut einer neuen Studie bei vielen Menschen. Sie gelangen vor allem durch Nahrung in den Körper.

"Ich habe Pestizide im Haar", sagt der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Er hat an einer Studie teilgenommen, die die Grünen in Auftrag gegeben hatten. Dafür haben knapp 150 Freiwillige aus sechs europäischen Ländern Haarproben abgegeben, die anschließend in einem wissenschaftlichen Labor auf 30 Pestizide getestet wurden, die in der Europäischen Union zugelassen sind und die hormonverändernde Eigenschaften haben. Das Ergebnis ist beängstigend, sagt Giegold: "Erschreckenderweise haben wir bei 60 Prozent aller Proben herausgefunden, dass die Menschen diese Pestizide in ihren Haaren haben - also in ihrem Körper in der Zeit davor. Leider auch bei mir selbst." 

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Studie: Pestizide in Haarproben

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Zu den 30 Chemikalien gehören Insektizide, also Mittel, die Insekten abtöten. Und Fungizide, das sind Wirkstoffe, die Pilze und Sporen vernichten. Durch den Haartest kann nachgewiesen werden, welchen dieser Stoffe ein Mensch über einen längeren Zeitraum ausgesetzt war. Bei Giegold sei Fipronil gefunden worden, also jenes "berüchtigte Pestizid, das in Bezug auf den Eierskandal vor kurzem in Deutschland bekannt geworden ist."

Grüne: "Substanzen müssen vom Markt genommen werden"

Die Chemikalien gelangen vor allem durch die Nahrung in den Körper - zum Beispiel durch Obst und Gemüse, Getreide und Eier, die damit behandelt wurden. Laut der neuen Studie wurde die höchste Konzentration von Pestiziden in den Haarproben der Teilnehmer aus Großbritannien gefunden. Die geringste Konzentration, mit immerhin noch 44 Prozent, bei den deutschen Probanden. Die meisten unterschiedlichen Pestizide wiesen die Haarproben der Teilnehmer aus Belgien auf.

Die Ergebnisse zeigen, dass Europäer - egal, in welchem Land sie leben -, diesen Substanzen ausgesetzt sind, obwohl sie im Körper gar nichts zu suchen haben, kritisiert der Grünen-Politiker Giegold. Es zeige, dass es strengere europäische Regeln brauche, um die Menschen zu schützen - "und dass die gefährlichen Substanzen europaweit vom Markt genommen werden müssen".

Die Europäische Kommission legt am Mittwoch ihre Strategie zu Umwelthormonen vor, den sogenannten endokrinen Disruptoren, die in Nahrungsmitteln, Spielsachen, Kosmetika und Kleidung vorkommen. Die Chemikalien können Krebs, Unfruchtbarkeit und Diabetes auslösen. Ein Sonderausschuss des Europaparlaments wird am 6. Dezember über den Bericht abstimmen. Die große Abstimmung im gesamten EU-Parlament ist für Mitte Januar nächsten Jahres geplant.

Sendung: hr-iNFO, 7.11.2018, 13:30 Uhr

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