Supermarkt Eier

Mit Spraydosen haben sie kein Problem in Lindome, erst recht nicht mit Handgranaten wie in anderen Teilen Schwedens. Aber eben: mit Eiern. Deshalb hat ein Supermarkt jetzt ein Mindestalter für ihren Verkauf eingeführt.

Lindome liegt etwa 15 Kilometer südlich von Göteborg an der Westküste, eigentlich nichts los da. Gute 10.000 Einwohner, neuerdings aber ein Supermarkt, der es in die nationalen Schlagzeilen geschafft hat. Mit einem kleinen Pappschild. Darauf steht: "Wir schützen unseren Ort - deshalb verkaufen wir derzeit nur Eier an über 18-Jährige." Klingt komisch, ist es aber nicht - nicht für die erwachsenen Lindomer.

Neue Freizeitbeschäftigung

Denn Jugendliche im Ort haben offenbar eine neue Freizeitbeschäftigung entdeckt. Eine, die alle gründlich nervt, die aber um sich greift. Deshalb das neue und in Schweden bisher einzigartige Eierkauf-Mindestalter, erklärt die Chefin des ICA-Ladens, Linda Dahlin, im öffentlichen Radio: "Hier kommen Gruppen von Jugendlichen rein und wollen Eier, aber nicht zum Kochen, wie wir es gerne hätten, sondern, um sie gegen Autos, Busse oder Hauswände zu werfen oder auf Terrassen und alles schmutzig zu machen. Das finden wir sehr schade."

In anderen Städten des Landes, vor allem in den sozialen Brennpunkten, wird eher traditionell gesprüht, was die Farbdosen hergeben, oder es fliegen schlimmstenfalls sogar Handgranaten, wenn kriminelle Gangs sich streiten. Da kommen einem Eier eher harmlos vor, das lässt sich ja alles leicht wegwischen. Doch die Leute in Lindome sehen das anders und stehen voll hinter der Mindestalter-Idee, zumal es Ausnahmen gibt. Wenn jemand unter 18 trotzdem Eier im Korb hat, aber harmlos aussieht, oder Linda sie oder ihn kennt, dann geht das in Ordnung.

Viel Verständnis und ein paar Alternativen

Alle anderen müssen sehen, wo sie jetzt Eier herbekommen, oder sie wenden sich an die Kultur- und Freizeitverwaltung. Da sitzt Therése Hognert mit viel Verständnis und ein paar Alternativen: "Wir bieten die verschiedensten Aktivitäten an. Für Jugendliche kann es ja schwierig sein, das Richtige für sich selbst zu finden und ist es gut, wenn es solche Angebote gibt. Wir wollen zusammen etwas tun, um zu zeigen, dass wir uns umeinander kümmern, dass wir Kontakt haben."

Das klingt nach organisierter Jugendbelustigung, nach Sport, Spiel und, naja, vielleicht ein wenig Spannung, aber nicht halb so cool wie Eierwerfen und Abhauen als kleines Abenteuer in der großen Lindome-Langeweile. Deshalb hat sich Linda das Mindestalter ausgedacht für den Eierkauf und Therése denkt über eine begleitende Aufklärungskampagne nach: "Man könnte auch die Gesellschaft informieren und mit den Eltern sprechen, damit die ihren Kindern sagen, dass Eierwerfen ernste Konsequenzen haben kann."

Das typisch-schwedische "Kann"

Nur welche, das sagt sie nicht. Auch das "Kann" ist typisch Schweden, wo Kinder und Jugendliche sich ja frei entwickeln sollen und schon eine ganze Menge anstellen müssen, um auch nur sanft zur Rede gestellt zu werden, von Strafen ganz zu schweigen. Das wissen die Kids von Lindome natürlich auch, und sie wissen sehr genau, dass es ein paar Kilometer Richtung Göteborg die nächsten Supermärkte gibt - ohne Eierkauf-Mindestalter.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.9.2020, 9 bis 12 Uhr

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