Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl. (dpa)

Seit Jahren wird ein Pflegenotstand gerade in Altenheimen bemängelt: zu wenig Personal, zu schlechte Arbeitsbedingungen und zu niedrige Einkommen. In der Corona-Pandemie sind diese Probleme besonders deutlich zutage getreten. Am Tag der Pflege machen in ganz Hessen Pflegerinnen und Pfleger auf die Probleme aufmerksam.

Insgesamt sind in Hessen gut 310.000 Menschen pflegebedürftig. Gut 80 Prozent von ihnen, also mehr als 250.000, werden zu Hause gepflegt – oft, weil die Betroffenen es so wollen, aber auch weil Heime eben teuer sein können. Philip Stielow sagt, das ganze System baue darauf auf, dass viele Menschen zu Hause gepflegt werden: "Es ist so, dass wenn mehr Menschen in stationäre Pflege geschickt werden, das System, das sowieso schon auf Kante genäht ist, kollabiert."

Mehr Menschen in Heimen seien zu teuer und es gibt gar nicht genügend Pflegepersonal. Das, kritisiert die Gewerkschaft ver.di, liege an den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung – dabei ist hier in den letzten Jahren schon einiges passiert. In Hessen ist die Zahl der Altenpflegekräfte innerhalb von fünf Jahren um 13 Prozent auf knapp 43.500 (43.434) gestiegen. Auch beim Gehalt hat diese Branche aufgeholt – seit 2010 sind die Vollzeitlöhne in der Altenpflege um bis zu 39 Prozent angestiegen, deutlich stärker als die Löhne insgesamt, wie das Statistische Bundesamt ausgerechnet hat. Das macht für Pflege-Fachkräfte in Vollzeit rund 3300 Euro brutto. Allerdings gehört die Altenpflege zu den Berufen mit der höchsten Teilzeit-Quote. Fast die Hälfte arbeitet in Teilzeit und verdient entsprechend weniger.

Üble Aussichten für die Altenpflege

Georg Schulze Ziehaus von ver.di Hessen kritisiert, in den Altenheimen werde aber deutlich schlechter gazahlt als in den Kliniken: "Es gibt in den meisten Altenpflegeheimen krasse Unterbezahlung der Pflegekräfte – und Lohnunterschiede, die im Schnitt bei 600 bis 800 Euro liegen", sagt der Gewerkschaftler.

Und oft werde nicht nach Tarif bezahlt. Der Fachkräftemangel in der Altenpflege ist in Hessen noch deutlich größer als in der Krankenpflege. Die Ausbildung für Kranken- und Altenpflege läuft mittlerweile gemeinsam. Georg Schulze Ziehaus befürchtet, dass das am Ende den Pflegenotstand in den Altenheimen weiter verschärfen könnte. "Wenn die Kolleginnen nach der Ausbildung auf den Markt kommen, dann werden sie sich für die Einrichtungen entscheiden, wo sie ein paar hundert Euro mehr verdienen können. Das sind ganz üble Aussichten für die Altenpflege, wenn wir hier nicht nachsteuern können", so Schulze Ziehaus.

Sendung: hr-iNFO, Das Thema, 12.05.2021, 15 bis 18 Uhr

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