Touristen halten sich am Strand von Arenal in Palma de Mallorca auf. (dpa)

In vielen Bundesländern sind die Sommerferien schon gestartet, jetzt kommt mit NRW das bevölkerungsreichste Land dazu. Die spanischen Urlaubsregionen freuen sich auf möglichst viele Touristen aus Deutschland. Doch wie viel Sommerspaß ist unter Corona-Bedingungen drin?

An der Playa de Palma auf Mallorca herrscht auf den ersten Blick wieder Normalbetrieb: Der berühmte Strand östlich der Inselhauptstadt ist gut gefüllt, die Außenbereiche der Bars und Restaurants auf der Promenade dahinter sind es ebenfalls. Hier und da bilden sich sogar Warteschlangen von Urlaubern, die auf einen freien Tisch warten. Für die Gastronomie auf der Insel gelten kaum noch Beschränkungen.

Erste Party-Exzesse gab es schon

Frank Winkler kann das Treiben in der Touristenhochburg von seiner Wohnung aus beobachten. Der Berliner ist Sprecher des Nachbarschaftsvereins Playa de Palma. "Der ganze Fächer des Tourismus ist schon wieder da. Wir haben natürlich Familien, die sind herzlich willkommen. Was nicht so willkommen ist, ist dieser Sauftourismus. Aber der ist auch schon voll im Gange."

Auch wenn Discos und Clubs auf Mallorca erst Mitte Juli wieder öffnen sollen – die ersten Party-Exzesse gab es schon. Urlaubergruppen haben mit kräftig Alkohol nachts an der Strandmeile gefeiert – alles andere als corona-konform. "Die Engländer, die Holländer und die deutschen Touristen – zumindest einige von denen – geben das Level vor. Und die spanische Jugend steht da nicht hinterher", sagt Frank Winkler. Gerade junge Spanier sorgen auf Mallorca für Schlagzeilen: Sie haben in großen Gruppen ihre Schulabschlüsse auf der Insel gefeiert und damit für einen Corona-Ausbruch gesorgt. Mehr als 1.800 junge Leute sind inzwischen positiv auf das Virus getestet worden, die meisten nach ihrer Rückkehr aufs Festland.

Corona-Zahlen steigen immer schneller

Aber auch auf Mallorca und den anderen Balearen-Inseln selbst steigen die Corona-Zahlen immer schneller an, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei rund 70. Allein von Mittwoch auf Donnerstag haben die Behörden mehr als 300 neue Corona-Fälle verzeichnet. Es ist ein Rückschlag für die Regionalregierung. Sie hatte in den vergangenen Monaten die Corona-Einschränkungen nur langsam gelockert, um die wichtige Sommersaison nicht zu gefährden. Doch wenn der Trend anhält, droht genau das.

Auch auf den Kanaren entwickelt sich die Corona-Lage ungünstig. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei etwa 65, also ebenfalls über der 50er-Marke, ab der das Auswärtige Amt normalerweise von einem Corona-Risikogebiet spricht. Das touristische Leben auf Gran Canaria, Teneriffa und Co. läuft aber weitgehend normal. Kanaren-Präsident Angel Victor Torres hofft, dass kein Urlauber kurzfristig seine Reise storniert. "Unsere Inseln sind jetzt besonders schön. Im Herbst und Winter hat es kräftig geregnet, viele Inseln sind daher grün, an den Stränden hat sich die Fauna erholt. Wir bieten 365 Tage im Jahr Temperaturen von mindestens 20 Grad."

Keine Testpflicht für Deutsche

Spanien wirbt massiv um Urlauber, sind sie doch das wirtschaftliche Standbein des Landes. Die Regierung hat die Maskenpflicht im Freien weitgehend gekippt und die Einreiseregeln gelockert: Wer aus Deutschland kommt, muss keinen negativen Corona-Test mehr vorlegen. Britische Touristen dagegen schon. Spanien will so möglichst verhindern, dass die in Großbritannien stark verbreitete und gefährlichere Delta-Variante des Coronavirus eingeschleppt wird. In der zweiten Juni-Hälfte lag ihr Anteil in Spanien bei etwa 30 Prozent. Da in spanischen Labors aber vergleichsweise selten die Proben sequenziert werden, also der Coronavirus-Typ ermittelt wird, gehen Fachleute von einer höheren Quote aus.

Wenn Deutschland Spanien als Virusvariantengebiet einstufen sollte, hieße das: Zwangsquarantäne für Rückkehrer und einen Totalschaden für den Tourismussommer.

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