Die schönsten und spektakulärsten Pools der Welt

An den Traumstränden in Bali und Thailand herrscht derzeit vor allem: Leere. Viele Einheimische warten auf die Rückkehr der Touristen aus dem Westen, um wieder Geld zu verdienen. Doch es gibt auch Stimmen, die hoffen, dass nicht alles wird, wie es war.

Geld war nie ein Problem für Kadek. Er arbeitet als selbständiger Tourguide in Bali, und Touristen kamen immer. Sie kamen wieder nach dem Bombenattentat von 2002 und auch nach dem Ausbruch des Vulkans Agung. Doch seit Corona ist alles anders. So schlimm wie jetzt war es noch nie in Bali, sagt Kadek: „Bevor das Coronavirus kam, hatten alle Arbeit, alle schienen glücklich zu sein und machten sich keine Sorgen über Geld. Bis die Pandemie kam.“ Seitdem sprächen alle nur noch über ihre Probleme: kein Geld, kein Job, und die Angst, dass sie Kredite nicht mehr bedienen können und die Bank ihnen Autos und Mopeds wegnimmt.

Für einen Tourguide, der Besucher über die Insel fährt, ist der Verlust des Autos eine existenzielle Bedrohung. Der Stress sei für viele Menschen sehr groß, sagt Kadek, denn wer keine Arbeit hat, kann seine Familie nicht ernähren. Bei Meman gibt es schon jetzt nur noch Tofu und Tempeh statt Fleisch, weil das zu teuer ist. Die Essensverkäuferin kommt mit ihrem Straßenstand grade so über die Runden. Die Pandemie hat ihr nicht nur die Kunden genommen, sondern auch die Konkurrenz verstärkt: Einige der früheren Kellner oder Zimmermädchen versuchen jetzt auch ihr Glück, indem sie an der Straße Fisch und Fleischspieße verkaufen.

Große Leere in Bali

Der Tourismus macht mehr als die Hälfte von Balis Bruttoinlandsprodukt aus. Auf der Insel neben Java leben 4,4 Millionen Menschen – und mehr als die Hälfte von ihnen arbeitete im Tourismus. Auch Bewohner Javas, die dort keine Arbeit mehr hatten, fanden Anstellung auf Bali. Im vergangenen Jahr waren 16 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland da. Wenn das plötzlich wegfällt, herrscht große Leere. Und während der Teil des Sektors, der sich an indonesische Touristen richtet, langsam und vorsichtig wieder zum Leben erwacht, wird die Kritik laut, dass die Insel sich nicht so sehr auf die internationalen Ketten, auf die großen Hotels für ausländische Touristen verlassen sollte. Vielleicht sollte man sich insgesamt mehr auf Fischfang verlegen, fordern einige.

Noch ist Zeit zum Nachdenken. Die Grenzen Indonesiens sind nach außen – außer für Geschäftsreisende - immer noch geschlossen. Nicht nur Indonesien mit Bali, Borneo und Borobodur, mit Stränden, Regenwäldern und Tempeln, ist ein beliebtes Ziel für Touristen. Viele Länder Südostasiens gehören dazu, die Philippinen oder Vietnam, Thailand, Malaysia, Singapur oder Kambodscha. Türkisblaues Meer, versteckte Buchten, Tauchreviere oder Dschungelpfade, günstige Preise und große Gastfreundschaft lockten vor allem während des europäischen Winters Millionen Besucher an. Nach Angaben der Welttourismusorganisation waren es 137 Millionen Touristen in Südostasien und sie brachten 380 Milliarden US-Dollar in die Region. Dazu kommen noch Touristikkonzerne und Investoren aus dem Ausland, die ihr Geld in Hotels und Restaurants stecken.

Fatale Abhängigkeit

Tourismus bietet also theoretisch eine Menge an Entwicklungsmöglichkeiten für die Länder: Sie haben die Attraktionen, die Menschen sehen wollen und für die sie zahlen. Das bringt Jobs und gute Infrastruktur mit sich – Straßen, Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels, und wenn der Tourismus in eine ökologische Richtung geht, dann kann auch noch in den Tier- und Naturschutz investiert werden. Doch eine zu große Abhängigkeit kann fatal sein. Dann bekommt eine Pandemie noch eine andere, zerstörerische wirtschaftliche Dimension.

Das ist auch in Thailands Haupstadt zu spüren. Die Nächte von Bangkok sind stiller als sonst, die berühmte Khao San Road liegt wie ausgestorben da, das Nachtleben brennt auf Sparflamme. „Es ist wirklich schlimm für die Bars und Clubs in Bangkok, die ganze Vergnügungsindustrie, das Nachtleben, alle sind schwer getroffen“, sagt Jonathan Siksik. Er ist Manager des Clubs Sing Sing, den vor allem Ortsansässige besuchen. Seit Juli haben sie wieder geöffnet, „aber einige Clubs, die nur auf Touristen gesetzt haben, sind jeden Abend ziemlich leer“, erzählt Jonathan. „Für sie ist es echt schwer. Sie hoffen, dass sich die Situation bald ändert, und das ist auch nötig - nicht nur fürs Nachtleben, für die Wirtschaft insgesamt.“

Null, null und null

Bangkoks vibrierendes Nachtleben, dazu die Strände von Phuket, Krabi oder Koh Samui, das umwerfende Essen und die famose Gastfreundschaft – Thailand war immer ein unheimlich starker Magnet für Besucher, vom jungen Rucksackreisenden bis zur betuchten Lady – und umgekehrt war der Tourismus immer eine sichere Bank für das südostasiatische Land. Aber: „Covid hat uns eine Lektion erteilt“, sagt Chairat Trirattanajarasporn, Präsident der thailändischen Tourismusvereinigung. „Vorher konnten wir einfach da sitzen und die Touristen strömten zuverlässig herbei.“

In der jüngsten Vergangenheit habe die Regierung immer den Schwerpunkt auf den Tourismus gelegt als wichtigsten Mechanismus für die thailändische Wirtschaft, er macht 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Und nach einem sensationellen Jahr 2019 seien die Hoffnungen für 2020 auf weiteres Wachstum groß gewesen, sagt Trirattanajarasporn. Doch dann kam Corona. „Die Einnahmen aus dem Tourismus betrugen 2019 etwa 55 Milliarden Euro von 49 Millionen Touristen. In diesem Jahr, mit Covid-19, hatten wir im ersten Quartal drei Millionen Touristen, im zweiten Quartal null, im dritten null und im letzten Quartal auch null.“ Thailands Wirtschaft wird 2020 um acht Prozent einbrechen, so schätzt die Asiatische Entwicklungsbank.

Touristen schon in den Startlöchern

Thailand hatte bislang nur rund 3600 nachgewiesene Covid-19-Infektionen, 60 Menschen starben an der Krankheit. Mit strengen Lockdowns, Maskenpflicht und Abstandskontrollen ist das Land der Pandemie entgegengetreten. Das habe gezeigt, „dass Thailand sicherer ist als andere Länder, und das ist unsere Stärke“, meint Chairat Trirattanajarasporn optimistisch. „Wenn die Dinge sich also wieder normalisieren, dann wird die Sicherheit ein weiterer Grund für Touristen sein, Thailand zu wählen.

Der Tourismus-Slogan „Amazing Thailand“ – also erstaunliches Thailand, mit dem das Land seit einigen Jahren wirbt, soll ersetzt werden durch „Amazing trusted Thailand” – Thailand, erstaunlich und zuverlässig. Die Besucher stehen schon in den Startlöchern, erzählt Trirattanajarasporn: „Europäische Touristen warten darauf, nach Thailand kommen zu dürfen, diejenigen, die der Pandemie und dem Winter entfliehen wollen. Auch Besucher aus China, Taiwan, Macau und Hongkong sind ganz erpicht darauf.“

Reisen wird sich ändern

Doch das Reisen wird sich vermutlich ändern. Länder wie Thailand oder Indonesien, die sich fast nur auf ausländische Touristen konzentrieren, werden umdenken und vielleicht eine größere, krisensichere Zielgruppe im Inland entdecken. Jetzt wäre auch die Chance, aus der Billigpreis-Falle herauszukommen. Denn viele Urlaubsziele verlieren ihre Attraktion, wenn die Massen sie überlaufen, zertrampeln und zerstören. Die Schließung der Länder hat gezeigt, wie sich Naturreservate erholen; vor den Stränden Thailands tauchten plötzlich Dugongs auf. Diese asiatische Seekuh-Art gehört zu den gefährdeten Tierarten, doch nun weideten ganze Herden die Seegras-Felder vor Inseln ab, die sonst von Touristen in Schnellbooten wimmeln. Neugierige Delfine spielen mit Fischern, Lederschildkröten haben hunderte von Eiern an dem Strand gelegt, der zum Flughafen von Phuket gehört. Wenn es Zugangsbegrenzungen für Nationalparks gäbe, nicht nur in Thailand, auch in Kambodscha oder Vietnam, würden die Attraktionen geschont und man könnte auf eine andere Zielgruppe setzen, die bereit ist, höhere Ticketpreise zu zahlen – Klasse statt Masse.

Ein winziges Virus hat die Welt verändert; das 'global village' ist kein Dorf mehr, sondern wieder ein riesiger Planet, mit sieben Kontinenten und großen Entfernungen dazwischen. Oft zu groß, um zueinander zu kommen.

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Hinweis: Die Menschen, die in der Reportage zu Wort kommen, haben sich größtenteils selbst mit dem Handy aufgenommen und ihre Antworten an uns überspielt.

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Sendung: hr-iNFO, "Die Reportage", 24.12.2020, 6:35 Uhr

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