Lissabon bei Nacht
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Wo besonders viele Touristen sind, da drohen auch die Touristenfallen. In Lissabon zum Beispiel kann man schon mal 500 Euro für eine Meeresfrüchteplatte ausgeben – wenn man nicht aufpasst. Ein Selbstversuch.

Die Baixa, das Altstadtviertel von Lissabon: Schöne alte Häuser, malerische Gassen, hübsche Straßencafés. Davor umwerben Restaurant-Angestellte die Touristen und machen ihnen das Mittagsmenü schmackhaft. Oft auf ziemlich penetrante Art und Weise. Die Baixa ist auch das Viertel der Touristen-Fallen. Hier muss sich auch das "Made in Correeiros" befinden, ein Restaurant, das in Portugal schon für Aufsehen gesorgt hat. Es lohnt ein Blick auf das Online-Bewertungsportal Trip Advisor: 

 "Schande von Lissabon", ist da zu lesen. Oder auch: "Schlimmste Abzocke in meinem ganzen Leben". Aus fast allen der 600 Kommentare spricht die blanke Wut: Mehr als 90 Prozent geben dem Lokal die Note 6. Viele Gäste hatten sich dort vom Kellner zu einer Fisch- oder Meeresfrüchteplatte überreden lassen. Ohne zu fragen, was sie kostet. Und waren später über die Rechnung durchaus überrascht: Mit 500 Euro für die Meeresfrüchte hatten sie in dem Lokal nicht gerechnet. Auf Trip Advisor haben viele Besucher Fotos aus dem Restaurant gepostet. Allerdings nicht vom Essen, sondern von Quittungen. Ich mache den Selbstversuch.

Das "Made in Correeiros" zu finden, ist nicht einfach. Dort, wo es sein sollte, steht jetzt "Olive Garden" auf der Markise. Noch verwirrender wird es beim Blick auf die Speisekarte: "Restaurante Lisboa", steht da zu lesen. Nur im Lokal, wo die Lizenz aushängt, findet sich tatsächlich der alte Name. Ein Restaurant, drei Namen. Vielleicht will man hier gar nicht so gern, dass sich die Gäste den Namen merken.

Viel Bauernfängerei

Ein Kellner, den wir hier Jorge nennen, bringt uns die Karte. Er empfiehlt uns eine Fischplatte für zwei Personen. Ich bin augenblicklich in Alarmstimmung. Ich frage, wie viel die Fischplatte kostet. Jorge blättert in der Speisekarte, bis weit nach hinten, hinter den englischen und französischen Übersetzungen. Die Fischplatte findet sich nur auf der portugiesischen Karte. Dort steht auch die berüchtigte Meeresfrüchteplatte für 250 Euro pro Person. Die Fische sollen immerhin „nur“ 65 kosten. Ich vergewissere mich, ob das der Preis für zwei Personen ist. Jorge sagt ja. Besser, zu fragen. Immerhin: Laut der Karte ist der Service inklusive.

Um es kurz zu machen: Die Fischplatte ist nichts besonderes, aber auch nicht schlecht. 65 Euro ist sie jedenfalls nicht wert. Ärgerlicher ist da schon die Rechnung, die wir nur auf Nachfrage ausgedruckt bekommen.

Die zwei kleinen Biere hat er als große abgerechnet. Jorge betont dann noch, dass der Service nicht inklusive sei – anders als auf der Karte angegeben. Die Rechnung beläuft sich auf gut 102 Euro. Ich gebe 120 – Jorge fragt, ob er rausgeben soll. 18 Euro Trinkgeld? In Portugal lässt man üblicherweise nur ein paar Münzen auf dem Tisch liegen. Jorge gibt mir still das Rückgeld heraus. In einer Bar ein paar Straßen weiter kann man für 6,50 Euro zu Mittag essen. Und zwar ziemlich gut. Ich frage den Barkeeper Pedro, ob es viel Bauernfängerei in seinem Viertel gibt:

Immer nachfragen, im Zweifelsfall doppelt

„Ja, allerdings. Die geben Ihnen zum Beispiel zuerst eine Speisekarte und später, bei der Rechnung, eine andere. Ganz einfach! In einem Restaurant da hinten, da haben Ausländer schon mehr als 500 Euro für Meeresfrüchte bezahlt. Sowas macht man doch nicht! Nicht mit Touristen, mit niemandem!“

Tatsächlich hat der Fall des Abzocke-Lokals auch in Lissabon Schlagzeilen gemacht. Die lokale Gewerbeaufsicht hat Presseberichten zufolge Dutzende Beschwerden von Kunden erhalten. Doch da die Preise durchaus in der Karte zu finden waren, wenn auch nur im portugiesischen Teil, sei dem Restaurant formal nichts vorzuwerfen.

Daher gilt: Wer in Lissabon in der Altstadt essen gehen will und sich auf die Empfehlungen des Kellners einlässt, sollte sich trauen, nach dem Preis zu fragen. Und im Zweifelsfall lieber nochmal nachfragen. Denn sonst können einem die Meeresfrüchte noch lange quer im Magen liegen.

Sendung: hr-iNFO, 6.07.2018, 14.20 Uhr

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