Wasser aus einem Hahn läuft in ein Glas.
Trinkwasser ist eins der am besten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland. Bild © picture-alliance/dpa

Menschen in Deutschland genießen einen Luxus, der vielen anderen verwehrt bleibt – fließendes Wasser aus der Leitung. Trotz der Selbstverständlichkeit einer geregelten Trinkwasserversorgung, ist immer noch eine gewisse Skepsis gegenüber dem Leitungswasser zu spüren.

Sorgen um die Leitungswasserqualität sind völlig unbegründet, meint Lothar Vigelahn, Umweltingenieur im Umweltbundesamt. „Es ist das am besten und am häufigsten untersuchte Lebensmittel, mit einer eigenen gesetzlichen Verordnung und alles was damit zusammenhängt“, erklärt der Trinkwasserexperte. Die Trinkwasserverordnung stellt in Deutschland die Qualität des bereitgestellten Wassers sicher und bestimmt Grenzwerte für Schadstoffe wie Blei oder Nitrat.

Kein gesundheitliches Risiko

Diese Verordnung gilt deutschlandweit und lässt keine regionalen Qualitätsunterschiede zu. Dennoch kann das Wasser aus einer Frankfurter Leitung ganz anders schmecken als aus einer Fuldaer Leitung. Der Grund hierfür ist der Härtegrad des Wassers. In die Stufen Weich, Mittel und Hart eingeteilt, beschreibt er die Menge an Mineralien im Wasser – in hartem Wasser findet sich mehr Magnesium und Calcium. Ein gesundheitliches Risiko besteht aber nicht, meint Lothar Vigelahn. „Die Wasserhärte verursacht eventuell geschmackliche Unterschiede. Gesundheitlich gibt es da aber keine Einschränkung - Calcium und Magnesium sind wichtige Bestandteile unseres Körpers und unserer Nahrung. Ich sag mal so, durch hartes Wasser verkalkt man nicht.“

Auch vor Mikroplastik im Trinkwasser müssten Verbraucherinnen und Verbraucher keine Angst haben. „Wir reden bei Mikroplastik über Partikel von 0,1 bis 5000 Mikrometer Größe. Im Vergleich dazu sind die Filter in der Trinkwasseraufbereitung dafür gebaut, Partikel wie Viren, die eine Größe von 0,02 bis 0,2 Mikrometern haben, zurückzuhalten“, so der Umweltingenieur.  Das heißt also, dass die Plastikpartikel nicht durch die Filter passen und somit nicht am Wasserhahn ankommen. Mikroplastik komplett aus dem Weg zu gehen, sei ohnehin unmöglich, da es zum Beispiel auch in der Luft vorkommen kann, erklärt Vigelahn. So sei es auch schon vorgekommen, dass Wasserproben durch Mikroplastik aus der Umgebung verunreinigt wurden.

Lebensmittel mit vielen Vorteilen

Bei der Frage nach der Qualität des eigenen Leitungswassers müsse zudem berücksichtigt werden, dass die Wasserversorger nur bis zu den Hausleitungen verantwortlich sind. Für einen guten Zustand der Leitungen in den eigenen vier Wänden müssen Besitzerinnen oder Vermieter sorgen. Trotzdem muss „die Wasserqualität nach Trinkwasserverordnung am Zapfhahn, das heißt, an der Entnahmestelle, gewährleistet sein“, so Vigelahn. Falls noch Blei- oder Kupferrohre verbaut sein sollten, muss die Vermieterin oder der Vermieter die Rohre austauschen. In so einem Fall empfehlen die Wasserversorger Fachpersonal für den Austausch. „Es gibt ein Verzeichnis von Sanitär-Fachhändlern, die bei den Wasserversorgungsunternehmen gelistet sind, und nur die dürfen eigentlich an der Trinkwasserinstallation arbeiten“, erläutert Umweltingenieur Vigelahn.

Trotz der strengen Kontrollen und Vorgaben trinkt jeder Deutsche im Schnitt noch 144,3 Liter Mineralwasser pro Jahr (Stand 2017) – sei es aus geschmacklichen Gründen oder aus Angst vor Schadstoffen. Dabei hat das Trinken von Leitungswasser im Vergleich viele Vorteile. „Es ist preisgünstiger, gemütlicher, da kein Wasserkasten geschleppt werden muss, umweltfreundlicher und sicherer“, zählt Lothar Vigelahn auf. „Bei Mineralwasser muss die Wasserqualität nur bis zur Abfüllanlage gesichert sein. Was bei dem Transport passiert, bleibt unkontrolliert. Und Leitungswasser lässt sich sogar ohne großen Aufwand mit einer Sodamaschine in Sprudelwasser verwandeln.“

Sendung: hr-iNFO, 26.11.2018

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