US-Präsident Trump mit Mund-Nasenschutz

Im Umgang mit der Corona-Pandemie hat US-Präsident Donald Trump eine Kehrtwende vollzogen: Trump forderte seine Landsleute am Dienstag erstmals zum Tragen von Masken auf.

Wenn die Bürger die Abstandsregeln nicht einhalten könnten, sollten sie einen Mund-Nasen-Schutz benutzen, sagte Trump, der bisher das Tragen der Maske als Schwäche abgetan hatte. Angesichts seiner schlechten Umfragewerte und der massiven Kritik an seinem Krisenmanagement schlug der Präsident einen deutlich veränderten Ton an. "Wir bitten jeden, eine Maske zu tragen, wenn Sie keinen Abstand einhalten können. Besorgen Sie sich eine Maske. Ob Sie Masken mögen oder nicht, sie haben eine Wirkung", sagte der Präsident nun in seiner ersten Pressekonferenz zur Pandemie seit fast drei Monaten. "Die Masken werden einen Einfluss haben."

"Es wird noch schlimmer werden"

In Anbetracht der zuletzt deutlich gestiegenen Infektionszahlen vor allem im Süden und Westen der USA warnte er: "Es wird leider noch schlimmer werden, bevor es besser wird." Manchen Teilen des Landes gehe es gut, "anderen geht es weniger gut."

In den vergangenen Monaten hatte Trump hingegen vor allem angebliche Erfolge seiner Regierung im Kampf gegen das Virus angepriesen und das Ausmaß der tödlichen Krankheit kleingeredet. Nun rief er sogar junge Leute auf, dichtgefüllte Bars zu meiden.

Schlechte Umfragewerte

Allerdings wiederholte der Präsident auch seine vage Aussage, dass das Virus irgendwie "verschwinden" werde. Bislang hatte sich Trump über die Verwendung von Masken lustig gemacht. Trumps Sinneswandel hängt offenbar nicht zuletzt mit seinen schlechten Umfragewerten zusammen.

Zwei Drittel der Bürger misstrauen demnach der Corona-Krisenpolitik des Präsidenten. In den Umfragen zur Präsidentschaftswahl am 3. November liegt Trump deutlich hinter seinem demokratischen Rivalen Joe Biden zurück. 

Wiederaufnahme der Pressebriefings

Die dramatische Entwicklung in den USA bei den Corona-Infektionen setzt Trump zunehmend unter Druck. Dies ist wohl auch der Grund, warum er die Pressebriefings zu der Pandemie wieder aufnahm.  Im Frühjahr hatte der Präsident nahezu täglich Unterrichtungen abgehalten.

Kritiker warfen ihm allerdings vor, dabei immer wieder falsche oder irreführende Aussagen verbreitet und die Termine als Ersatz für Wahlkampfkundgebungen genutzt zu haben. Ende April wurden die Trump-Briefings dann ausgesetzt, nachdem der Präsident mit seinen Äußerungen zur Injektion von Desinfektionsmitteln gegen Covid-19 für Fassungslosigkeit, Spott, aber auch besorgte Reaktionen von Experten gesorgt hatte.

Trump kündigte an, die live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenzen fortzusetzen - wenn auch womöglich nicht jeden Tag. Im Gegensatz zu den früheren Briefings trat Trump am Dienstag nicht in Begleitung von Seuchenexperten, sondern alleine auf. Von seinem prominenten Berater Anthony Fauci hatte sich der Präsident in den vergangenen Wochen distanziert. Fauci ist der ranghöchste Virenexperte des Landes. Er hatte wiederholt ein düsteres Bild von der Lage in den USA gezeichnet.

USA am stärksten betroffenes Land

Seit mehr als einer Woche liegt die Zahl der täglich verzeichneten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den USA bei mehr als 60.000. Die Johns-Hopkins-Universität verzeichnete am Dienstag weitere 68.524 Ansteckungen binnen 24 Stunden. Die Gesamtzahl der Infektionen stieg auf mehr als 3,9 Millionen.  Zudem registrierte die Hochschule weitere 961 Todesfälle, womit die Gesamtzahl der verzeichneten Todesopfer auf fast 142.000 stieg. Die Vereinigten Staaten sind sowohl von den Infektions- als auch den Totenzahlen her das mit Abstand am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 22.7.2020, 9 bis 12 Uhr

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