Donald Trump

Kaum ein Politiker polarisiert so wie Donald Trump. Das liegt nicht zuletzt an seiner Rhetorik. Kommunikationsexpertin Jennifer Mercieca erklärt seine wichtigsten Strategien.

Nichts polarisiert Menschen so sehr wie die Worte von Donald Trump. Rhetoriker und Kommunikationsexperten reden sich seit Jahren die Köpfe heiß über die Frage, wie es dem US-Präsidenten gelingt, seine politischen Gegner zu diffamieren und lächerlich zu machen.

"Rhetorisches Genie"

Für Kommunikationsexpertin Jennifer Mercieca ist Donald Trump ein rhetorisches Genie: "Auch wenn es niemand hören will. Er ist ein Mensch, der nicht persönlich zur Rechenschaft gezogen werden kann. Er hat in seinem Leben eine rhetorische Strategie entwickelt, die ihm hilft, auf seine Aussagen nicht festgenagelt zu werden." Dafür nutze er ein rhetorisches Stilmittel, das Paralipse genannt wird. Eine Paralipse lenkt vom Thema ab und bringt die Zuhörer zum Schmunzeln.

"Ich darf das eigentlich nicht sagen, aber meine Konkurrenten sind alle schwach. Ich weigere mich, das auszusprechen, denn ich will keine Streitereien, aber sie sind insgesamt schwach", sagte Donald Trump. Er beherrscht die Register der Rhetorik aus dem Effeff. In einem Gerichtsurteil wurde Trump jüngst frei gesprochen, nachdem ihn Demonstranten beschuldigt hatten zu hetzen und seine Fans aufzufordern, Gegner körperlich anzugreifen.

Gefühle steigern, Glaubwürdigkeit verfremden

"Tut ihnen nicht weh, tut ihnen nicht weh. Wenn ich sage: Schnappt sie Euch, dann bekomme ich Probleme mit der Presse. Den verlogensten Menschen auf der Welt." Trump sagte beides: Schnappt sie Euch und tut ihnen nicht weh. Für Kommunikationsexpertin Jennifer Mercieca beweist diese widersprüchliche Aussage, wie meisterhaft der US-Präsident rhetorische Mittel einsetzt, ohne sich angreifbar zu machen.

Trump sei zudem ein charismatischer Redner, so die Expertin. Er interagiert mit seinem Publikum und bringt es so zum Lachen. Dafür nutzt er ein Stilmittel, das in der Rhetorik Hyperbel genannt wird: die Übertreibung, eine Stilfigur, die eine Gefühlsintensität steigert und stark betont. Die Glaubwürdigkeit wird dabei verfremdet, gleichzeitig hat es einen komischen Effekt. "The greatest economy", "the best roads", "craziest thing" ....

Mittel, um die Demokratie zu zerstören

Ein weiteres von Trumps sehr beliebten Mitteln ist, was in der Rhetorik "Argumentum Ad hominem" bezeichnet wird: Das ist ein Angriff auf den Menschen anstatt ein Angriff auf dessen Argument. Dieses rhetorische Mittel ist eine Art Scheinargument, in dem die Position eines Streitgegners durch Angriff auf dessen persönliche Umstände oder Eigenschaften angefochten wird. Ein Angriff ad hominem ist eine bewusst polemische Strategie, die noch gesteigert werden kann, indem man Menschen wie Dinge behandelt. Menschen werden mit Viren verglichen, mit Ungeziefer oder Ratten. Als "sneaky dirty rats" etwa bezeichnete Trump ISIS-Kämpfer. Damit werden sie entmenschlicht, Gewalt wird so legitimiert.

Diese Verdinglichung ist eine Kriegstaktik, die schon viele Politiker in der Geschichte benutzt haben, um ihr Volk auf einen Krieg einzuschwören. Und die gerade wir Deutschen aus der jüngeren Geschichte gut kennen. Fazit also: Trump ist ein geschulter Rhetoriker. Ein Meister im Täuschen, Ablenken und Diffamieren. Trump nutzt seine Mittel gezielt, um Menschen zu bedrohen, zu entmenschlichen und sie lächerlich zu machen. Für Kommunikationsexpertin Jennifer Mercieca alles Mittel, die Demokratie zu zerstören.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 29.9.2020, 6 bis 9 Uhr

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