Kind hüpft mit einem Ball zwischen den Füßen

Sportvereine können viel tun, um ihren Nachwuchs bestmöglich vor Missbrauch zu schützen. Der TV Langen, ein großer Sportclub im Kreis Offenbach, macht es vor.

Zwei Dutzend Kinder im Grundschulalter flitzen durch die Turnhalle der Albert-Schweitzer-Schule in Langen: eine Aufwärmübung im Training der Ballsportgruppe des TV Langen. Der Übungsleiter gibt Anweisungen, hält aber Abstand zu den Kindern. Richtig so, findet Eva-Maria Meisner. Sie begleitet ihren siebenjährigen Sohn Lukas.

Klar, Körperkontakt im Sport ist manchmal unvermeidlich. Aber wenn möglich sollte er vermieden werden, findet Meisner: "Wenn gerade Übungen vorgemacht werden, würde ich mir wünschen, dass die Trainer das selber vormachen anstatt ein Kind zu nehmen, zu halten. Oder wenn ein Kind sich verletzt, dass das Kind eben nicht in den Arm genommen wird, an Stellen berührt wird, wo das Kind selber das nicht will. Körperkontakt kann ja auch schon Missbrauch bedeuten."

Tätern keine Chance geben

Meisner ist in einem Sozialberuf tätig. Sie sagt, das habe ihre Aufmerksamkeit geschärft. Wenn Lukas vom Sport nach Hause kommt, hört und sieht sie genau hin. Sie sehe auch "relativ schnell, wenn er begeistert rauskommt oder wenn er halt betrübt rauskommt." Dann könne sie davon ausgehen, dass es einen Konflikt oder ähnliches gab. "Dann frage ich danach, und frage, wenn ich keine Antworten bekomme vom Kind, auch beim Trainer nach."

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Beim TV Langen sind solche Rückmeldungen willkommen. Der Schutz des Kindeswohls hat dort einen hohen Stellenwert. Maren Schlegler sorgt dafür, dass der Anspruch im Vereinsalltag eingelöst wird. Zusammen mit ihrem Mitstreiter Mike Schäfer ist sie dafür verantwortlich, dass Täter beim TV Langen möglichst keine Chance haben: "Das Ziel ist eigentlich, dass nichts im Verein passiert; dass unsere Übungsleiter sich immer sauber verhalten und dass wir Übungsleiter haben, die das Schutzkonzept auch leben. Dass die Eltern uns vertrauen und auch die Kinder sich sicher und wohlfühlen."

Grafik zu Missbrauch in Sportvereinen

Kommunikation und Transparenz sind wichtig

Das kann eine Herausforderung sein. Was ist im Kinderturnen eine nötige Hilfestellung, was eine unangemessene Berührung? Ein Griff könne mal verrutschen, sagt Schlegler. Deshalb seien offene Kommunikation und Transparenz besonders wichtig – gegenüber Eltern UND Kindern. "Wenn ich die Kinder anfassen muss, weil ich eine Hilfestellung geben muss, weil sie sich verletzen können, dann sage ich den Kindern vorher: Ich fasse dich jetzt an dieser Körperstelle an, aus dem und dem Grund, damit du dich nicht verletzt oder damit du das schaffst", erzählt Schlegler. "Und wenn es so kommt, dass die Hand vielleicht doch daneben rutscht oder dass man noch mal eingreifen muss, dann kann man das am Ende auch sagen: Oh, Entschuldigung, ich wollte dich nicht an der Stelle treffen."

In der Gruppe ist ein Minimum an Schutz automatisch gegeben. Und Einzelunterricht ohne Absprache und Begründung gibt’s beim TV Langen nicht. Müssen sich ein Übungsleiter und ein Kind mal in Ruhe austauschen, bleibt die Tür offen. Generell gilt: Wer im Langener Verein den Nachwuchs trainiert, weiß, worauf es ankommt. Für Eva-Maria Meisner eine wichtige Voraussetzung, um Lukas unbesorgt zum Training schicken zu können: "Ich weiß, dass die Übungsleiter geschult werden, was den sexuellen Missbrauch anbelangt – oder überhaupt in der Thematik. Klar war mir das wichtig zu wissen, sind die da informiert, sind die geschult, wie gehen sie damit um."

Missbrauch im Sport

Der Landessportbund Hessen unterstützt die Bemühungen von Sportvereinen, den Nachwuchs vor Übergriffen zu schützen. In einer Hinsicht geht der TV Langen aber noch weiter als der Verband: Wer Übungsleiter werden will, muss ein Erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Da stehen Verurteilungen drin, die in einem normalen Führungszeugnis nicht auftauchen – wegen Geringfügigkeit oder weil sie lang her sind. Die Hürde für Trainerkandidaten ist ein zusätzlicher Schutz, damit sich Kinder wie die in der Ballsportgruppe unbeschwert austoben können.

Sendung: hr-iNFO, 24.01.2019, 6:50 Uhr

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