Demonstrantin in München fordert Sanktionen gegen Russland (picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Militärisch eingreifen in den Krieg in der Ukraine will der Westen nicht. Stattdessen soll eine ganze Reihe von harten Wirtschaftssanktionen die russische Führung zum Umdenken bewegen. Die zeigt sich bislang erstaunlich unbeeindruckt. Doch unverwundbar ist Russland nicht.

Russische Staatsmedien erzählen gern diese Geschichte: Nach der Annexion der Krim im Jahr 2014 hatte die EU Sanktionen gegen Russland verhängt. Moskau hatte daraufhin die Einfuhr vieler Lebensmittel aus Europa verboten. Seither sei die russische Landwirtschaft aufgeblüht, produziere Weizen, Fleisch und Getreide in Rekordmengen. Es reiche zum Export, größter Abnehmer sei China. Diese Erzählung soll die Unverwundbarkeit des Landes demonstrieren. Dazu meint Martin Lück, deutscher Chefstratege des US-Vermögensverwalters BlackRock: "Putin hat jetzt acht Jahre seit der Annexion der Krim Zeit gehabt, sein Land wirtschaftlich robuster zu machen gegen Sanktionen. Und das ist wohl sehr weit gelungen."

Russland hat nur wenige Schulden und ein finanzielles Polster von mehr als 630 Milliarden US-Dollar. Das mache es robust - aber, sagt Gunter Deuber, Volkswirt der Raiffeisenbank International: "Kurzfristig kann Russland damit umgehen. Russland hat Devisenreserven, die 20, 25 vielleicht 30 Monate zum Überleben reichen aber natürlich mittel- bis längerfristig. Russland ist sehr substanziell auf die Nutzung von US-Dollar und Euro angewiesen."

Auch Europa würde leiden

Der Verkauf von Öl oder Gas wird weltweit vor allem in US-Dollar abgewickelt, es ist die wichtigste Einnahmequelle des russischen Staates. Würden die USA und Europa kein Öl und Gas mehr von Russland kaufen, dürfte die russische Volkswirtschaft – die von der Leistung etwa mit der von Spanien vergleichbar ist – um mehr als 4 Prozent einbrechen, hat der Ökonom Hendrik Mahlkow vom Kieler Institut für Weltwirtschaft ausgerechnet: "Mittel- bis langfristig sind Europa und Deutschland nicht auf russisches Gas angewiesen, auf russisches Öl noch weniger. Da ist die Gefahr für Russland eindeutig viel größer, da die russischen Staatseinnahmen abhängig sind vom Verkauf von Öl und Gas ins Ausland."

Der Verzicht aus russisches Öl und Gas durch westliche Länder wäre die vermutlich härteste Sanktion gegen Russland. Europa hätte zunächst ebenfalls zu leiden: Energie würde teurer, die Menschen hätten weniger Geld in der Tasche, die Wirtschaft bekäme Gegenwind. Für BlackRock-Stratege Martin Lück stellt sich die Frage, wie lange der Westen standhaft bliebe: "Wann die Regierungen gezwungen werden, doch wieder einzulenken und zu sagen: Okay, die Ukraine ist verloren. Aber jetzt machen wir mal wieder Geschäfte mit den Russen, weil es sonst einfach Zuhause zu sehr wehtut."

"Nicht so große Hoffnungen"

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Genau darauf setze Putin. Bereits eingeschränkt hat die westliche Staatengemeinschaft die Einfuhr von High-Tech nach Russland. Der Kieler Ökonom Hendrik Mahlkow sagt: "Da ist Russland komplett abhängig von ausländischen Lieferanten". Etwa bei Speicherchips, Halbleitern, aber auch bei Ersatzteilen.

In der Diskussion ist auch, die russischen Banken komplett vom internationalen Zahlungssystem SWIFT abzuschneiden. Darüber laufen alle internationalen Geldströme. Aber Russland hat längst ein eigenes Transaktionssystem, auf das Banken im Notfall ausweichen können. Die Frage bleibt: Gibt es die schnelle und vor allem wirksame Sanktion gegen Moskau? Martin Lück von BlackRock ist skeptisch: "Keine Art von Sanktionen wird Putin abbringen von dem, was er vorhat, nämlich einen Regimewechsel in der Ukraine herbeizuführen." Mittelfristig könnten nur die Russen selbst ihre Regierung austauschen, aber - so Hendrik Mahlkow vom Institut für Weltwirtschaft: "Da habe ich nicht so große Hoffnungen."

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