Kindeswohl

Die Rechte von Kindern werden in der Corona-Krise zu wenig berücksichtigt, kritsieren Kinderschützer. Vor allem das Recht auf gewaltfreie Erziehung werde zu wenig beachtet, bemängeln der hessische Kinderschutzbund und der Paritätische Wohlfahrtsverband Hessen anlässlich des Tages der gewaltfreien Erziehung.

Der Staat greife aktuell tief in die Grundrechte von Kindern ein, so der Präsident des Deutschen Kinderschutzsbundes Heinz Hilgers: Er isoliere sie von Freunden, begrenze ihr Recht auf Bildung oder körperliche Bewegung. Auch das seien Formen der Gewalt.

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Eltern mit kleinem Kind
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Darüber hinaus dürfe die Politik das Risiko verdeckter Gewalt gegen Kinder nicht aus den Augen verlieren, fordert die hessische Landesvorsitzende Verone Schöninger. Schließlich sei durch die Reduzierung von Kita- und Schulbetrieb die soziale Aufmerksamkeit geringer geworden - und das in einer Zeit, in der Experten eine Zunahme häuslicher Gewalt befürchten.

Mehr Anrufe bei Hilfsportalen

Beim Hilfetelefon des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauch etwa habe sich die Zahl der Mails von Kindern und Jugendlichen verdoppelt, die Anrufzahlen sind ebenfalls gestiegen.

Auch bei der "Nummer gegen Kummer" gibt es neue Zahlen, die zeigen, dass es bereits im März deutlich mehr Anrufe gab. Gleichzeitig nehmen die Jugendämter in Hessen aktuell weniger Kinder aus den Familien als vor der Krise, auch in stationären oder teilstationären Einrichtungen werden weniger Kinder und Jugendliche aufgenommen.

Befremden über Debatte

Befremdlich finden es viele Verbände, in welcher Intensität darüber diskutiert werde, ob und wie der Spielbetrieb der Bundesliga weitergehen könne, während die Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Der Berufsverband der Kinder und Jugendärzte fordert etwa, dass sich die Bundesregierung stärker von Experten beraten lassen sollte, die die Interessen der Kinder berücksichtigen. Sie wollen eine Debatte, die die Bedürfnisse der Kinder im Blick hat und nicht die der Leistungsgesellschaft. Abstandsregeln und Kontaktsperren seien tiefe Einschnitte für Kinder und Jugendliche in ihrer Lebenswirklichkeit. Deshalb sei auch die Rückkehr in Schulen und Kitas so wichtig.

Insgesamt hat die Corona-Krise nach Meinung vieler Kinderschutz-Experten wie ein Brennglas die Defizite im Kinderschutz freigelegt und die Bedrohung von Kindern und Jugendlichen durch familiäre und häusliche Gewalt sichtbar gemacht. Wenn wir in eine neue Normalität starten, so die Experten, bestehe die Chance, von Anfang an Kinderschutz auf allen Ebenen fest zu verankern. Dazu gehöre auch, die Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen.

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Der Tag der gewaltfreien Erziehung

Seit dem Jahr 2000 gilt in Deutschland das Recht des Kindes auf Gewaltfreie Erziehung. Der Tag soll daran erinnern, dass die gesamte Gesellschaft die Verantwortung für das gewaltfreie Aufwachsen von Kindern trägt.

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Hilfsangebote

Hilfe bei sexuellem Kindesmissbrauch
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Hilfetelefon bei sexuellem Missbrauch: 0800 / 22 55 530 (kostenfrei und anonym)

Zora, Anlauf- und Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen (Wiesbaden)
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Trauma-Ambulanz Frankfurt
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Kinderschutzambulanz der Frankfurter Uniklinik
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Kinderschutzbund
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Deutsche Kinderhilfe: Die Kindervertreter
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Weißer Ring
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Dossier: Opfer ohne Stimme - Wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 30.4.2020, 9 bis 12 Uhr

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