Weltraumteleskop Hubble

Ferne Planeten, Geburten von Sternen und alles gestochen scharf - es sind neue Dimensionen, die uns das Weltraumteleskop sichtbar macht. Nun wird es 30 Jahre alt. Es ist eine Erfolgsgeschichte voller Hürden und technischer Meisterleistungen.

Die Nachrichten Ende Juni 1990 sind niederschmetternd für die NASA. Nur zwei Monate nach dem Start von Hubble muss sie zugeben: Jawohl, wir haben da ein Problem. Ganz gleich, was die Techniker in der Bodenstation auch versuchten: Sie bekamen einfach keine scharfen Aufnahmen.

Auch der Schweizer Astronaut Claude Nicollier konnte es nicht fassen: "Es war natürlich tragisch. Am Anfang konnte man es nicht glauben. Man dachte, die werden schon einen Weg finden, um ein korrektes Bild zu bekommen. Es war eine enorm große Enttäuschung. Diese Entdeckungsmaschine: Man erwartete so viel von Hubble. Das war wirklich eine Tragödie." Die Ursache war schnell gefunden. Der Hauptspiegel von Hubble, der das Licht von Sternen und Galaxien bündeln sollte, war bei der Herstellung falsch geschliffen worden - nur eine winzige Abweichung. Das hatte vor dem Start aber niemand bemerkt. Jetzt gab es nur noch einen Weg, um Hubble zu retten: Astronauten mussten das Teleskop im All reparieren.

Rettungsmission im All

Und Nicollier war dabei: "Das ist ein Teleskop. Und ich bin Astrophysiker und Astronaut. Das war eine absolute Traum-Mission. Man wusste, das würde eine schwierige Mission sein, und hatte das Gefühl, dass die NASA keinen Misserfolg akzeptieren konnte. Das musste klappen." Claude Nicollier fängt das Teleskop mit dem Roboterarm der Raumfähre ein, damit es seine Kollegen reparieren können, bei mehreren Außenbord-Einsätzen. Sie montieren ein Gerät namens Costar, eine Art Brille: speziell geschliffene Spiegel, die den optischen Fehler korrigieren. Damit retten die Weltraum-Handwerker nicht nur das Teleskop, sondern auch das Ansehen der NASA.

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Hubble zeigt ein Schwarzes Loch
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Heute ist Nicollier längst kein aktiver Astronaut mehr. Aber seine Gedanken sind noch oft bei diesem Fernrohr dort oben. "Das ist nicht nur ein wissenschaftlicher Erfolg, sondern auch ein menschlicher Erfolg. Viele Menschen sind an das Hubble-Programm gebunden und haben eine sehr enge Verbindung mit dem Teleskop. Ich persönlich habe diese Verbindung, das ist klar. Vielleicht haben Sie das festgestellt", sagt er und lacht.

Gut lachen haben auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit dem Weltraumfernrohr arbeiten. Hubble hat riesige Gas- und Materiewolken fotografiert, in denen neue Sterne geboren werden. Es hat die Ausdehnungs-Geschwindigkeit des Alls vermessen und beim indirekten Nachweis der sogenannten Dunklen Materie geholfen. Vor allem aber hat es uns die wahre Schönheit des Universums gezeigt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 24.04.2020, 10.00 Uhr

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