Großflächige Wahlplakate an einer großen Straße in Berlin (dpa)

Alles deutet nach der Bundestagswahl auf ein Dreierbündnis hin. Doch das Triell und der Vierkampf der kleineren Parteien in der ARD haben gezeigt: Einfach wird es nach der Bundestagswahl nicht, sich zu einer Koalition zusammenzufinden. Wer könnte eigentlich mit wem besonders gut – oder eben nicht? Und wer wirbt um wen?

Eins haben die Grünen und die FDP schonmal gemeinsam: Beide Parteien kommen aktuellen Umfragen zufolge in den zwei derzeit wahrscheinlichsten Koalitions-Varianten vor. Als da wären: die Ampel, also Rot-Gelb-Grün, und Jamaika, also Schwarz-Gelb-Grün. FDP-Chef Christian Lindner jedenfalls suhlt sich geradezu in der Rolle des ‚Unumgehbaren‘, des ‚Königsmachers‘, trotz oder gerade wegen der Schwäche des Wunschkoalitionspartners Union: "Da kommt der FDP also eine besondere Verantwortung zu, eine Politik der Mitte zu organisieren", sagte Lindner beim Vierkampf in der ARD.

Lindners Zwickmühle

Doch seine Stärke überschätzen solle der FDP-Chef bitte nicht, warnt Albrecht Lucke, Redakteur bei den "Blättern für deutsche und internationale Politik", im tagesschau24-Interview. Gerade wenn die in den Umfragen derzeit führende SPD wirklich stärkste Kraft wird: "Sollte das der Fall sein und gibt es einen erheblichen Abstand, dann spricht sehr viel dafür, dass als erstes über die Ampelkoalition ernsthaft verhandelt wird. Und Christian Lindner wird es sehr schwerfallen, noch einmal abzusagen, nachdem er vor vier Jahren schon der Jamaika-Koalition eine Absage erteilt hat."

Als ewiger ‚Lieber-gar-nicht-Regierer‘ wird Lindner wohl kaum in die Geschichte eingehen wollen - andererseits aber sich von den - vermutlich stärkeren - Grünen kaum alle eigenen Wahlversprechen abverhandeln lassen wollen. "Keine Steuererhöhungen" lautet das Liberalen-Mantra. Den Klimawandel will man mit "technologischem Fortschritt" bekämpfen. Wie das mit den Grünen gehen soll, weiß derzeit niemand - egal, ob man da im Jamaika- oder im Ampelrahmen eingebettet ist.

CDU als Juniorpartner?

Also doch eine neue Groko? Oder eine Deutschland-Koalition, also Schwarz-Rot-Gelb oder Rot-Schwarz-Gelb? Ob er sich denn auch einer SPD-geführten Regierung unterwerfen würde, wurde CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet in der ARD gefragt, als er sich mit Olaf Scholz und Annalena Baerbock triellierte. "Die Frage war, ob sie auch in eine Regierung Scholz eintreten würden?", versuchte es Moderator Oliver Köhr.

"Ich hab sie aber nicht beantwortet, wie sie gesehen haben. Wir sind nicht bei Regierungsbildungen, wir sind beim Werben für den richtigen Weg für unser Land", so die Ausweich-Antwort von Armin Laschet, womit er eine Juniorpartnerschaft mit der SPD zumindest mal nicht ausschloss. Dass die Sozialdemokraten sich aber eine erneute Koalition mit CDU/CSU antun, dafür spricht derzeit wenig.

Und die Linke ...?

Und was ist mit Rot-Grün-Rot? Von der Union als Schreckensszenario verkauft, von der SPD weiter nicht ausgeschlossen, gilt diese Farbkombination doch wegen außenpolitischer Vorstellungen der Linken als unwahrscheinlich. Auch wenn die Partei zuletzt auffällig offensiv für dieses Dreierbündnis wirbt: "Wenn es am 26.9. eine Mehrheit gibt für SPD, Grüne und Linke, sollten wir sehr ernsthaft darüber reden, wie wir einen Politikwechsel gestalten können", betonte die Linken-Spitzenkandidatin Janine Wissler beim Vierkampf in der ARD. Wobei sie mindestens ebenso offensiv die Überführung der NATO in ein neues Bündnis unter Einschluss Russlands forderte. Für Grüne wie SPD ein Ausschlusskriterium.

Strategisch gesehen macht es aber aus Sicht der Linken Sinn, die Erzählung voranzutreiben, man könne in einer Regierung landen, weil das mutmaßlich die Wahlchancen erhöht. Und aus Sicht der SPD, notfalls auch ein Bündnis mit der der Linkspartei einzugehen, weil das in Koalitionsverhandlungen den Druck auf die FDP erhöht.   

Kein Bündnis mit der AfD

Klar immerhin ist, dass keine Partei ein Bündnis mit der AfD eingehen will. Was auf Gegenseitigkeit beruht. Auch wenn Spitzenkandidatin Alice Weidel geschlagene drei Sekunden nachdenken musste – zur besten TV-Sendezeit eine kleine Ewigkeit - bevor sie auf die Frage, ob sie einen Kanzler Armin Laschet wählen würde, mit einem schlichten "Nein" antwortete.   

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