Zeynep Potente mit dem jüngsten Buch ihres Vater über die türkische Geschichte
Zeynep Potente mit dem jüngsten Buch ihres Vater über die türkische Geschichte Bild © Volker Siefert, hr

Mindestens fünf Menschen mit deutschem Pass stehen auf der Liste der politischen Gefangenen in türkischen Gefängnissen. Einer von ihnen hat lange in Hessen gelebt. Beim anstehenden Besuch des türkischen Staatspräsidenten steht sein Fall auf der Tagesordnung.

Zeynep Potente ist Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit Praxen in Frankfurt und Oberursel. Sie ist die älteste von drei Töchtern von Enver Altayli. Der 73-jährige Deutsch-Türke ist einer von sieben Inhaftierten, deren Fall bei dem am Donnerstag beginnenden Staatsbesuch von der Bundesregierung angesprochen wird. "Er steht ganz oben auf der Liste. Wir hoffen, dass wir etwas für seine Freilassung bewirken können", sagt Potente in ihrer Praxis am Frankfurter Roßmarkt.

Enver Altayli
Enver Altayli Bild © privat

Ihre Eltern haben lange Zeit in Oberreifenberg im Taunus gelebt. Dann entschied sich ihre Mutter, eine Feriensiedlung für Individualtouristen bei Antalya in der Südtürkei zu betreiben. Ihr Vater zog mit, war aber mehrmals im Jahr zu Besuch bei seiner Tochter und Freunden in Frankfurt. Bis er dann am 20. August 2017 in der Feriensiedlung verhaftet wurde. "Ihm wird vorgeworfen, dass er einem Gülen-Anhänger zur Flucht verholfen haben soll", sagt seine Tochter. Die Familie bestreitet, dass Enver Altayli Straftaten für die Gülen-Bewegung begangen hat. "Mit seiner Verhaftung sollte ein Erdogan-Kritiker aus dem Verkehr gezogen werden."

Politisches Tauwetter macht Hoffnung

Lange Zeit hatte Zeynep Potente öffentlichen zur Inhaftierung ihres Vaters geschwiegen. Sie hatte Angst, dass sich dadurch seine Haftbedingungen verschlechtern würden. Doch inzwischen glaubt sie, dass öffentlicher Druck ihrem Vater hilft. Sie hat bei chance.org eine Onlinepetition für ihren Vater ("Enver") gestartet und sucht den Kontakt zu Medien.

Vielleicht liegt die Zurückhaltung gegenüber der Öffentlichkeit auch an den vielen politischen Facetten im Leben ihres Vaters. In jungen Jahren war er bei den ultranationalistischen türkischen Grauen Wölfen und wurde für diese nach Deutschland geschickt. Er hat für den türkischen Geheimdienst gearbeitet und besitzt sehr gute Verbindungen zu US-Geheimdiensten und in Regierungskreise zentralasiatischer Staaten.

Sein Frankfurter Freund Serhat Ilicak schließt aus, dass sich Altayli der Gülen-Bewegung unterordnen würde. "Dafür ist er eine viel zu starke Persönlichkeit", sagt der Verleger, der wie sein Freund Anfang der 1980er Jahre nach Frankfurt kam. Das politische Tauwetter zwischen Deutschland und der Türkei könnte eine baldige Freilassung Altaylis bewirken. Zeynep Potente baut auf die Gespräche der Bundesregierung: "Ich hoffe, dass mein Vater bald wieder seine Familie in Frankfurt besuchen kann."

Sendung: hr-iNFO, 24.9.2018, 6:35 Uhr

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