Der Leiter der Empa-Ökobilanz-Gruppe Roland Hischier steht mit Maske in einem Flur.

Welche ist besser für die Umwelt: die Einweg- oder die Stoffmaske? Forschende in der Schweiz haben jetzt die Ökobilanz des Mund-Nasen-Schutzes analysiert. Das Ergebnis überrascht.

Neben der Schutzwirkung einer Maske stellt sich für viele die Frage nach der Ökobilanz. Welche Maske schneidet besser ab? Die Einmalmaske, die nach dem Gebrauch im Müll landet, oder die Stoffmaske, die gewaschen und wiederverwendet werden kann? Die Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) im Schweizer Sankt Gallen haben sich der Sache angenommen.

Offizielle Empfehlungen als Maßstab

Bezüglich des Maskenverbrauchs hat man sich bei der Untersuchung an der offiziellen Empfehlung für die Schweiz orientiert: "Für unsere Studie haben wir uns eine Person vorgestellt, die fünfmal pro Woche mit dem Zug zur Arbeit fährt und dreimal pro Woche einkaufen geht. Daher haben wir eine Stoffmaske, die fünfmal gewaschen wird, verglichen mit dreizehn Einwegmasken, die diese Person pro Woche braucht", erklärt Studienleiterin Claudia Som.

In einer zweiten Anordnung ist man davon ausgegangen, dass die Einwegmasken mehr als nur einmal benutzt werden und die Stoffmasken häufiger gewaschen werden, bevor auch sie weggeschmissen werden. Die Schweizer Forscher betrachteten sowohl Herstellung, Nutzung und Entsorgung der Masken nach stets den gleichen Gesichtspunkten. "Das eine war der Treibhauseffekt. Das Zweite war die graue Energie, also der Energieverbrauch, der dahintersteckt. Das Dritte war der Wasserverbrauch, der Water Footprint. Und das Vierte ist ein Indikator für eine ökologische Gesamtbetrachtung", erklärt der Leiter der Empa-Ökobilanz-Gruppe Roland Hischier.

Baumwollanbau ist wasserintensiv

Die Analyse der Schweizer Wissenschaftler zeigt, dass die Baumwoll-Stoffmasken bezogen auf Energieverbrauch und Treibhausgasbilanz besser abschneiden als die chirurgischen Einmalmasken, aber bezogen auf Wasserverbrauch und Gesamtumweltbelastung haben Wegwerfmasken eine bessere Bilanz. "Die Hauptumweltbelastung bei einer Stoffmaske, die fällt in der Produktion an. Die Produktion dominiert den gesamten Lebenszyklus von so einer Maske", weiß Hischier. Insbesondere durch den wasserintensiven Baumwollanbau.

Heißt: "Wenn ich eine Maske häufiger einsetzen kann, also mehr Nutzungszyklen erreiche für die Maske, dann habe ich proportional natürlich einen geringeren Anteil dieses Herstellaufwandes, den ich tragen muss pro Nutzung meiner Maske." Hier sollte aber unbedingt die Empfehlung der Hersteller beachtet werden, wie häufig eine Maske gewaschen werden darf, bevor sie ihre Schutzwirkung verliert, warnt Hischier.

Weitere Forschung ist nötig

Die Forschung zur Ökobilanz von Masken steht noch am Anfang, sagt Studienleiterin Claudia Som. Antiviral und antibakteriell wirkende Materialien wurden zum Beispiel noch nicht betrachtet. Andere Beschichtungen könnten dazu führen, dass Masken länger getragen werden können. Diskutiert wird auch die Frage der Umweltbelastung durch achtlos weggeworfene Masken. Inwieweit hier kompostierbare Masken zu einer besseren Ökobilanz führen könnten? Auch das muss noch erforscht werden.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 16.12.2020, 9-12 Uhr

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