Lebensmittel mit vielen Ballaststoffen

Von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis Diabetes: Bei vielen Volkskrankheiten ist die Ernährung ein entscheidender Faktor. Inwieweit sollte der Staat hier eingreifen?

Mal provokant gefragt: Warum verbietet die Bundesregierung nicht einfach alle ungesunden Lebensmittel? Schokolade, Softdrinks, vielleicht sogar Fleisch - alles raus aus den Supermarktregalen, per Gesetzesvorschrift. Dann müssten sich doch alle gesund ernähren, oder? Nein, sagt Julia Klöckner (CDU), seit 2018 Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft: "Wir werden den Bürgern nicht vorschreiben, was sie zu essen und zu trinken haben. Das ist nicht meine Vorstellung von Gesellschaft. Der Staat ist nicht die Geschmacksnanny oder Geschmacksgouvernante. Wir werden auch keine Rezepte vorschreiben."

Bombardiert mit Werbung

Was kann der Staat stattdessen tun, damit seine Bürger sich gesünder ernähren? Eine Möglichkeit ist Ernährungsbildung. Schon in Schulen und Kitas soll den Kindern vermittelt werden, warum die Vollkornkekse mit dem Körper was anderes anstellen als der fettige Burger. Der Erfolg solcher Aufklärungskampagnen sei allerdings mäßig, sagt Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch: "Wir haben seitdem parallel einen massiven Anstieg von Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes - die ernährungsbedingten Krankheiten. Also man muss eigentlich sagen, dass dieser verhaltenspräventive Ansatz gescheitert ist."

Als Grund dafür sieht Molling auch die massive und oft irreführende Werbung für Süßigkeiten und andere Kinderprodukte. Hier fordert sie klare Vorschriften von staatlicher Seite: "Da können wir noch so viel dagegen angehen und den Kindern beibringen, sie sollen sich gesund ernähren oder was ausgewogene Ernährung ist. Sie werden überall bombardiert mit dieser Werbung. Sie werden in diese Marken- und Erlebniswelten inzwischen auch immer verstärkter im Internet hineingeführt."

Überforderung im Supermarkt

Dabei sagen immer mehr Menschen: Eigentlich will ich mich ja gesünder ernähren. Viele fühlen sich aber schon beim einkaufen überfordert. Welche Produkte sind gesund und welche spielen das nur vor? Hier soll der Nutri Score helfen: Eine farbliche Kennzeichnung, mit der Verbraucher auf Anhieb und ohne Vorwissen erkennen sollen, wie gesund das jeweilige Produkt ist. Luise Molling erklärt, wie das genau funktioniert: "Er verrechnet quasi Zucker, Fett, Salz, ungünstige Nährwerte mit günstigen Nährwerten wie Proteinen, Ballaststoffen, aber auch dem Obst- und Gemüsegehalt. Heraus kommt dann eine Gesamtbewertung der Nährstoffqualität eines Produkts, die wird dann eben dargestellt in Ampelfarben von dunkelgrün bis rot."

Im November 2020 wurde der Nutri Score in Deutschland eingeführt. Er "darf" ab jetzt von den Nahrungsmittelherstellern genutzt werden, ein Muss ist er aber nicht. Trotzdem findet sich der Farbcode schon auf vielen Produkten und auch auf den Eigenmarken von Rewe, Aldi und Lidl. Kritiker bemängeln allerdings, der Nutri Score klammere wichtige Inhaltsstoffe aus: Vitamine oder Omega3-Fettsäuren würden nicht berücksichtigt, so eine Kritik der Stiftung Warentest.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm