Blick auf die Sonne durch ein Autofenster

Statt in den eigenen vier Wänden können Bewohner von Hamamatsu jetzt im Auto arbeiten: Weil die Wohnungen in Japan oft klein sind, bietet die Stadt Büro-Autos zum Mieten an. Für 24 Euro pro Tag gibt's WLAN, Strom und einen Parkplatz mit Blick auf den Pazifik.

Direkt am Wasser steht auf einem Parkplatz in Hamatsu, rund 200 Kilometer südwestlich von Tokio, ein halbes Dutzend Minivans. Alle haben die Heckklappe geöffnet. Die Rückbank ist runtergeklappt, darauf sitzen zwei junge Frauen. Eine Tischplatte wurde montiert. Es könnte sogar noch eine Person zwischen ihnen sitzen, es sei gar nicht eng, erzählen die beiden im Fernsehsender SBS. Sie haben zwar dicke Jacken an, aber unten – ganz japanisch – die Schuhe ausgezogen und die Füße auf eine Kuscheldecke gestellt.

Abwechslung und WLAN für 24 Euro

Für dieses Pilotprojekt, das seit November vergangenen Jahres als Test läuft und ab nächstem Jahr regelhaft angeboten werden soll, hat sich die Stadt mit dem Autohersteller Suzuki zusammengetan. Man mietet zuerst das Auto, fährt zu dem Parkplatz und hat dann Strom und WLAN.

Hiroshi Miyagi hat das Projekt geplant. "Ich denke, wir wollen alle ab und an den Arbeitsort oder die Arbeitsumgebung verändern. Ein Auto als Büro in einem Set bringt Abwechslung." Und vielleicht inspiriert sie der Blick aufs Wasser direkt hinter ihnen auch. Der Parkplatz liegt wunderschön gelegen im Bentenjima Seaside Park. Der liegt in einer Bucht, die nur eine Meerenge vom Pazifik trennt. Das Autobüro kostet für einen halben Tag umgerechnet zwölf Euro, für einen ganzen das Doppelte.

"Nachfrage wird steigen"

In eine ähnliche Richtung geht das Projekt im japanischen Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen. Bislang war telefonieren nur im Gang erlaubt. Das ist nicht nur lästig, sondern oft auch nervig, weil die Verbindung oft abbricht. Noch bis Ende Februar bietet der Bahnbetreiber JREast deshalb jetzt kostenlos sozusagen einen Homeoffice-Zug an.

Gen Nakamura arbeitet in der Abteilung, die sich um das Arbeitsumfeld kümmert: "Wir erwarten, dass die Nachfrage nach solchen Angeboten in Zukunft steigen wird, da die Arbeitsplätze immer dezentraler werden. Wir wollen daher unseren Passagieren ermöglichen, die Fahrtzeit optimal zum Arbeiten nutzen zu können."

Dafür kann man sich bislang kostenlos einen WIFI-Router ausleihen. Selbst wenn der Zug mit 300 Kilometern pro Stunde durch Japan fährt, soll die Internetverbindung stabil bleiben, verspricht das Unternehmen. "Auf dieser Art wird die Fahrzeit gleich zur Arbeitszeit", sagt ein Passagier, der das Angebot gerne nutzt. "Man kann die Zeit von einem Tag so besser nutzen, das erleichtert vieles."

Diskretion auf Knopfdruck

Daneben hat sich der Bahnbetreiber JREast etwas bei den japanischen Toiletten abgeschaut: Dort kann man nämlich, damit man niemanden stört, fast überall per Knopfdruck ein Geräusch einstellen. Und genau das ist gibt es im Schnellzug Shinkansen auch. Der von Yamaha entwickelte Ton ist so konzipiert, dass niemand mithören kann, was andere gerade reden. Dazu wurden verschiedene Geräusche und Gespräche miteinander gemixt.

"Ich kann so auch von unterwegs an Online-Konferenzen teilnehmen. Dies ist eine gute Möglichkeit, gut zu arbeiten, ohne andere Leute um mich herum zu stören", sagt der Kunde. Das Testangebot kommt gut an, allerdings ist die Frage, ob das auch dann noch so ist, wenn die Kunden dafür bezahlen müssen. Wie viel, ist allerdings bisher nicht bekannt.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 12.2.2021, 9 bis 12 Uhr

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