Selfie
Bild © picture-alliance/dpa

Vor rasenden Zügen, auf steilen Klippen oder hohen Brücken: Für das ultimative Selfie riskieren viele Menschen einiges, manche sogar ihr Leben. Laut einer Studie sterben die meisten Menschen dabei in Indien. Nun gibt es Bemühungen der Behörden, das zu verhindern - mit "No-Selfie-Zonen" und einer App namens Saftie.

Ein Video ging letztes Jahr um die Welt: Ein junger Inder steht auf den Bahngleisen, der Zug kommt näher und trifft ihn mit voller Wucht. Das Video ist ein Fake, die Woche drauf hat der User sich unverletzt in den sozialen Netzwerken gezeigt. Aber tödliche Unfälle durch das Aufnehmen von Selfies sind real.

Größte Gefahren: Höhe, Gewässer, Züge und Tiere

Mitarbeiter der technischen Universität in Delhi haben eine Studie rausgegeben: Demnach sind weltweit mindestens 259 Menschen ums Leben gekommen, als sie sich selbst mit dem Handy aufnehmen wollten - mindestens 159 von ihnen in Indien. Obwohl im Schnitt mehr Frauen Selfies machen, waren drei Viertel der Todesopfer Männer, sagt Professor Ponnurangam Kumaraguru, der an der Studie beteiligt war. Dabei waren vor allem vier Ursachen ausschlaggebend: "Die Höhe, Gewässer, Züge und Tiere."

Rund 800 Millionen Menschen sollen in Indien mittlerweile ein Smartphone haben, hier leben die meisten WhatsApp-User, Plattformen wie Instagram und Tiktok sind vor allem bei den Jugendlichen beliebt. Um da Aufmerksamkeit zu bekommen, müssen die Fotos schon was hermachen. Besonders beliebt sind dabei auch Gruppenselfies, sagt Professor Kumaraguru: "Indien ist das einzige Land, in dem die Aufnahme von einem einzigen Selfie zu mehreren Toten geführt hat. Einmal sind gleich sieben Jungs auf einmal gestorben. Hier ist nicht mehr nur das Selfie beliebt, sonder vor allem das Groufie."

Regierung ruft zum Handeln auf

Die indische Regierung hat daher nun die einzelnen Bundesstaaten aufgefordert, etwas gegen diese tödlichen Unfälle zu unternehmen. So sind in einigen Gebieten im Land nun so genannte "No-Selfie-Zonen" entstanden. An beliebten Orten wurden Schilder installiert oder Sicherheitsleute machen die User auf die Gefahren aufmerksam.

Das sei auch dringend notwendig, sagt der Student Aatish Sahay: "Ich denke, dass Inder irgendwie nicht so gut Risiken einschätzen können. Die stehen auf fahrenden Zügen, vor kurzem habe ich fast zwölf Leute auf einem Motorrad gesehen." Die Studentin Isha glaubt nicht, dass die Inder zu viel riskieren würden, es liege eher an der Umgebung, in der sie sich aufnehmen: "Unsere Infrastruktur ist nicht so gut ausgebaut. Wir haben wunderschöne Orte, aber die sind nicht gesichert. Ihr in der der ersten Welt, ihr baut Zäune, um Touristen an beliebten Orten mit einer tollen Aussicht zu schützen. Das ist bei uns leider noch nicht so."

Eine App, die Gefahren erkennt

Genau das haben sich auch die Studienmacher gedacht und deswegen nun eine App entwickelt. Saftie heißt sie, ein Wortspiel aus Safety und Selfie. In dieser App sind mittlerweile mehr als 1.000 Orte auf der ganzen Welt eingezeichnet, die gefährlich werden können beim Aufnehmen von Selfies. Außerdem ist die Kamera in der App so konfiguriert, dass sie Gefahren erkennen kann: Sie erkennt steile Abgründe, wilde Tiere, unberechenbare Gewässer. Und der User wird gewarnt, den Ort schnellstens zu verlassen. Entscheiden muss er dann natürlich immer noch selbst, ob er das Risiko für ein vermeintlich ultimatives Selfie auf sich nehmen will oder nicht.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 25.7.2019, 9-12 Uhr

Jetzt im Programm