Trinkwasser

Die trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben gezeigt: Obwohl Deutschland ein wasserreiches Land ist, birgt das Menschenrecht auf sauberes Wasser auch hier großes Konfliktpotenzial.

Bei Wassermangel denkt man erst mal an Nahen Osten oder Afrika. Aber Kelkheim im Taunus? Dass das Wasser auch hier knapp wird, haben die Bürgerinnen und Bürger der Stadt nicht zum ersten Mal erfahren müssen. Aber nicht, weil zu wenig Wasser da war, sondern weil der Verbrauch in Spitzenzeiten zu hoch war – 60 Prozent höher als an einem durchschnittlichen Tag.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Wem gehört eigentlich das Trinkwasser?

Wasser fließt aus einem Wasserhahn in ein Glas.
Ende des Audiobeitrags

Ursache war, dass die Kelkheimer nachts die Rasensprenger haben laufen lassen oder ihre Swimming-Pools befüllt haben. Das haben die Leitungen nicht mehr geschafft. Deshalb musste die Feuerwehr durch Kelkheim fahren und die Bürgerinnen und Bürger zum Wasser sparen anhalten.

Aufruf zum Wassersparen

Der Aufruf der Feuerwehr hat funktioniert: Der Wasserverbrauch ist danach drastisch gesunken. "In der ersten Nacht nach der Durchsage hatten wir Verbräuche wie sonst nur zu Winterzeiten. Da hat jeder sofort abgestellt", sagt Kündiger. Er sagt aber auch: "Das Bewusstsein vom Umgang mit Trinkwasser muss noch ordentlich gestärkt werden."

Kelkheim fördert 40 Prozent seines Grundwassers selbst, den Rest bezieht die Stadt vom Wasserversorgungsverband Hessenwasser. Hessenwasser versorgt insgesamt über 50 Kommunen im Rhein-Main-Gebiet mit Trinkwasser – darunter auch die Städte Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt.

Der Konflikt ums Trinkwasser wird sich verschärfen

Nach dem Dürresommer 2018 rechnet das Umweltbundesamt in Zukunft mit Konflikten ums Wasser. Der private Verbrauch steigt und auch die Landwirte müssen zusätzlich bewässern, weil der Regen fehlt.

Durch den Klimawandel wird die Bewässerung der landwirtschaftlichen Flächen in Zukunft noch zunehmen, sagt Dr. Karsten Rinke vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg: "In Wirklichkeit gehört das Wasser niemandem. Und es gibt neben der Landwirtschaft und der Trinkwasserversorgung auch noch andere Player, die das Wasser benötigen, wie der Naturhaushalt. Denn niemand will, dass unsere Landschaft versteppt."

Der eigene Wasserverbrauch ist zu hoch

Es gehe darum, herauszufinden, wie viel Wasser uns überhaupt pro Jahr zur Verfügung steht. "Denn wir sollten im Durchschnitt nur so viel verbrauchen, wie auch durch Niederschlag wieder erneuert wird", sagt Rinke. Dazu brauche es aber auch aktuelle Zahlen, die momentan noch fehlten, moniert der Wasser-Experte.

Fakt ist: Jeder einzelne von uns muss den eigenen Wasserverbrauch in Zukunft überdenken, gerade im Sommer, wenn es trocken und heiß ist. Ein Rasensprenger verbraucht bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde – das macht sechs volle Badewannen pro Stunde. Außerdem verbrauchen Deutsche täglich 121 Liter Trinkwasser zum Beispiel für Dusche und Klospülung.

Sendung: hr-iNFO Politik, 23.8.2019, 21:35 Uhr

Jetzt im Programm