Mann sitzt am Laptop im Büro

Wenn ältere Menschen auf der Arbeit nicht ernst genommen werden, ist das schlecht fürs ganze Unternehmen. Forscher der Uni Gießen zeigen in einer aktuellen Studie, welche Folgen Altersdiskriminierung hat.

Wenn ältere Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, dann nehmen sie viel Erfahrung und auch Wissen mit. Umso mehr, wenn sie sich im Unternehmen ungerecht behandelt gefühlt haben. Zum Beispiel, wenn sie sich von jüngeren Kollegen ignoriert oder nicht ernst genommen fühlen.

Egal ob in großen oder kleinen Unternehmen: Altersdiskriminierung ist überall ein Thema, sagt Ulrike Fasbender. Die Forscherin im Bereich Arbeits- und Organisationspsychologie an der Uni Gießen hat dazu eine Studie durchgeführt: "Wenn Mitarbeiter sich diskriminiert fühlen, dann führt das letztendlich dazu, dass sie weniger Wissen an ihre jüngeren Kollegen weitergeben." So hätten die Jüngeren weniger Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln und "letztendlich wird dadurch Diskriminierung von älteren Mitarbeitern ein Problem für das gesamte Unternehmen", so Fasbender.

Erfahrung und Wissen für Unternehmen essenziell

Denn für Unternehmen sind die Erfahrungen und das Wissen älterer Mitarbeiter essenziell. Das hat auch das Unternehmen Pascoe Naturmedizin in Gießen festgestellt und arbeitet gezielt dagegen an, dass Wissen verloren geht, sagt Geschäftsführerin Annette Pascoe: "Indem einfach Jung und Alt zusammenarbeiten. Das hat sehr viel mit Vertrauen und Wertschätzung zu tun und das zeichnet eine gute Unternehmenskultur aus." Bei Pascoe sollen alle Mitarbeiter gleichermaßen eingebunden werden – und Wissen somit für alle transparent sein. So bleibt das Wissen aller erhalten.

Doch auch Weiterbildungen können laut Ulrike Fasbender helfen: "Die helfen, dass Personen sich quasi bewusst werden - auch über das eigene Wissen." Diese Erkenntnis sei unheimlich wichtig für die Wissensweitergabe, denn wenn man nicht wisse, was man kann und welche Fähigkeiten man hat, könne man das auch nicht an andere weitergeben. "Und dann ist der Verlust natürlich da", so Fasbender.

"Mit allen Mitteln bekämpfen"

Eine Strategie, die auch bei Pascoe funktioniert. Dadurch sollen Wissen und Erfahrungen aller Mitarbeiter individuell und optimal genutzt werden, meint Geschäftsführerin Annette Pascoe: "Bei den älteren Mitarbeitern sind die Erfahrung und das Wissen gefragt. Und auf der anderen Seite müssen wir uns immer wieder erfrischen durch das junge Wissen, weil sich ja sehr viel geändert hat." So seien "alt und jung bei uns in den Teams vereint."

Laut Ulrike Fasbender und ihrer Studie müssen Unternehmen Diskriminierung mit allen Mitteln bekämpfen und das Wissen älterer Mitarbeiter bewahren. Das gewinne vor allem an Bedeutung, wenn der geburtenstarken Babyboomer-Jahrgang demnächst in Rente gehe. Denn selbst, wenn dann viele Mitarbeiter ihr Unternehmen verlassen – ihr Wissen sollten sie nach Möglichkeit dort lassen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 26.1.2021, 6 bis 9 Uhr

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