Auf einer Tür in einem Impfzentrum in Schweinfurt steht groß "Impfen"

Während die einen sehnsüchtig auf die Impfung warten, sind andere skeptisch. Wir sicher ist das Medikament und was bringt es wirklich? hr-iNFO klärt auf.

Das Mainzer Unternehmen Biontech hat zusammen mit seinem US-Partner Pfizer seinen Impfstoff in nur wenigen Monaten entwickelt. In Rekordzeit – und genau das macht viele skeptisch. So wie diesen Frankfurter: "Das ging ein bisschen schnell, die Entwicklung. Da hat man schon Bedenken, könnten ja Spätfolgen doch noch vorhanden sein."

Tatsächlich hat noch nie ein Impfstoff in Europa so schnell das Zulassungsverfahren durchlaufen wie dieser. Aber, betont der Marburger Virologe Stephan Becker, nach seinem Eindruck haben Biontech und Pfizer ihren Stoff gründlich getestet. "Es war eine sehr, sehr große Studie mit mehr als 40.000 Teilnehmern. Und es gab nur wenige, moderate oder schwere Nebenwirkungen. Das waren dann vor allen Dingen Müdigkeit und Kopfschmerzen."

Was auch vielen nicht ganz geheuer ist: Der Impfstoff nutzt eine neue Technik, einen sogenannten mRNA-Botenstoff. Der soll Zellen des eigenen Körpers dazu bringen, Teile des Coronavirus nachzubauen, sodass sich die Immunabwehr auf den Erreger einstellen kann. Das klingt für viele gespenstisch, aber nicht für Fachleute wie Friedemann Weber. "Zum einen gibt es schon lange Studien, seit circa 20 Jahren mit solchen mRNA-Vakzinen. Zum anderen ist die mRNA selbst ja eigentlich eine natürliche Substanz. Unsere Zellen sind voll davon, und bisher gab es keine massiven Schwierigkeiten damit", sagt der Virologe von der Uni Gießen. Und er rechnet auch jetzt nicht damit.

Zweifel an der Wirksamkeit

Mit Nebenwirkungen rechnet Weber allerdings schon. Es gäbe ja jetzt schon entsprechende Berichte, "Berichte von Allergikern, die sehr stark allergisch waren, die heftig auf den Impfstoff reagiert haben. Also das ist etwas, was man im Auge behalten muss", so der Virologe.

Manche denken aber nicht nur an mögliche Nebeneffekte, sondern sie zweifeln grundsätzlich an der Wirksamkeit des Stoffs. So wie diese Wiesbadenerin: "Ich habe gehört, dass wenn man geimpft wird, man sich diese Krankheit trotzdem einfangen kann, dass man es sogar weitergeben könnte." Auch hier antworten die Experten mit einem klaren: einerseits, andererseits.

Die Pandemie zum Stehen bringen

Etwa Rene Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts und studierter Infektiologe. Es sei tatsächlich noch nicht nachgewiesen, dass der Impfstoff auch davor schütze, anderen das Virus weiterzugeben. Sterile Immunität nennt man das. Andererseits: "Ich bin fest davon überzeugt, wenn ein Impfstoff dafür sorgen kann, dass die Infektionskrankheit gar nicht erst ausbricht, dass man auch eine, wie es heute so schön heißt, sterile Immunität hat."

Auf jeden Fall, davon gehen alle Experten aus, sei ein geimpfter Mensch nicht so ansteckend wie einer ohne Impfung. Denn im ungeimpften Körper könne sich das Virus leichter vermehren. Deshalb setzt auch Gottschalk große Hoffnung in den Impfstoff. "Jeder Impfstoff ist in der Lage, wenn er gut ist – und das ist er – auch Pandemien zum Stehen zu bringen. Die Frage ist halt, wie lange das dauert." Mindestens bis zum Sommer - das ist die allgemeine Erwartung. Wenn nicht länger.

Ärzte und Pfleger müssen vorangehen

Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto schneller geht es, sagt auch der Marburger Virologe Stephan Becker. Ärzte und Pflegekräfte müssen vorangehen. Für die Impfskepsis mancher Berufskollegen hat er kein Verständnis. "Weil natürlich Menschen in dem Gesundheitssystem auch die sind, die die Erkrankung dann auch weitergeben können. Und das darf meiner Ansicht nach nicht passieren", warnt der Virologe.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 21.12.2020, 9-12 Uhr

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