Der beinahe leere Campus der Frankfurter Goethe-Universität

Die Politik und die Hochschulen haben sich geeinigt, dass das Sommersemester trotz Corona-Pandemie stattfindet – allerdings ganz anders als sonst.

Leere Vorlesungssäle und wenig Betrieb am Campus: Dieses Bild wird es noch eine ganze Weile geben. Denn das Sommersemester beginnt rein digital. Das heißt: Das Studieren geht weiter, allerdings sitzen die Studierenden dafür zu Hause vor dem Laptop.

Es gibt vorerst keine sogenannte "Präsenzlehre",  erklärt der Präsident der Gießener Uni, Joybrato Mukherjee: "Die Informationen werden als Power Point Präsentationen und andere Formate digital verschickt und von den Studierenden gelesen. Auf unterschiedlichen Formaten werden Diskussionselemente genutzt, um über diese Inhalte miteinander zu sprechen." Alles finde also statt, aber eben nicht mit den Studierenden und den Professorinnen oder Professoren in einem Raum.

Zeit nutzen für alles, was geht

In vielen Bereichen gehört dieses digitale Arbeiten schon länger zum Studienalltag – vor allen Dingen für Vorlesungen oder Seminare, die online abrufbar sind. Lukas Groos ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Chemiedidaktik. Gerade in seinem Fachbereich sei das digitale Arbeiten nicht so einfach, berichtet er. Denn hier gibt es regelmäßig Versuche, in sogenannten Praktika, in denen die Studierenden sich die Lerninhalte eigentlich selbst erarbeiten sollen. Vorerst muss das Selbst-Experimentieren ausfallen.

Aber der junge Doktorand hat einen Weg gefunden, um auch hier weitermachen zu können: Er filmt die Experimente, die sich die Studierenden dann zu Hause anschauen können. Völlig ersetzen könne das das eigentliche Experimentieren aber nicht, sagt er: "Das ist natürlich eine Notlösung, die wir hier durchführen. Für uns ist es die Möglichkeit, digitale Lehre durchzuführen." Gerade für ihn als Doktoranden, der daran forscht, wie man Lehre digital gestalten kann, sei das "die Chance, sowas einfach mal auszuprobieren."

Das gilt besonders für die Studierenden, die kurz vor ihrem Abschluss stehen. Trotzdem bemühen sich die Professoren und auch der Präsident der Uni, zum Start dieses ungewöhnlichen Semesters den Druck rauszunehmen. Präsident Mukherjee spricht von einem "Optionen-Semester": "Wir wollen die Zeit nutzen für alles, was geht." Es werde jedoch nicht alles gehen, weil nicht alles digitalisierbar sei. "Aber das, was geht, das werden die Studierenden machen können und dafür werden sie auch Leistungen erwerben können. Sie werden keine Nachteile erleiden, weil wir flexibel mit dieser Situation umgehen werden", erklärt Mukherjee.

"Alles ist besser als ein Freisemester"

Davon profitiert zum Beispiel die Medizinstudentin Luise Stücker. Sie hätte eigentlich gerade ein Chemiepraktikum – und freut sich, dass es die Experimente in Videoform gibt. Sie ist froh, dass es jetzt weiter geht. Denn ihre Sorge war, dass das Sommersemester komplett ausfällt: "Einfach mal aus 12 Semestern 13 zu machen, wäre der worst case gewesen." Dass die Lehre bestehen bleibe, sei ein guter Weg. "Alles ist besser, als ein Freisemester zwanghaft nehmen zu müssen."

Diese Flexibilität werden Studierende und Lehrende in den nächsten Monaten brauchen. Denn vieles ist jetzt zum Semesterstart noch nicht klar: zum Beispiel, wie und wann Klausuren geschrieben werden können und wie lange die Corona-Einschränkungen noch gelten. Dieses etwas andere Sommersemester wird alle fordern.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.04.2020, 9 bis 12 Uhr

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