Neuwagen stehen auf einem Güterzeug

Nach dem Corona-bedingten Einbruch im vergangenen Jahr laufen die Geschäfte der Autobauer wieder vergleichsweise gut, es könnte aber noch besser laufen. Für die Branche ist der Wandel hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft nicht immer leicht.

Eine ganze Branche wird grün. Ob aus Überzeugung oder aus Einsicht in die politischen Notwendigkeiten – schließlich kommen aus Berlin wie aus Brüssel ständig neue Vorgaben zum Klimaschutz. Und so kündigt ein Auto-Konzern nach dem anderen neue Ziele für die Herstellung sauberer Fahrzeuge an. "Ich bin überzeugt, dass wir bei der nachhaltigen Mobilität eine Vorreiterrolle einnehmen können und müssen", sagte beispielsweise Audi-Chef Markus Duesmann erst im Juni.

Der Ingolstädter Autobauer will ab dem Jahr 2026 nur noch neue Elektroautos vorstellen und die Produktion von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor einige Jahre später auslaufen lassen. Den völligen Verzicht auf klassische Verbrenner halten freilich nicht alle Auto-Manager für richtig. "Für den Klimaschutz kommt es nicht auf das Ende des Verbrenners an, sondern auf das Ende der fossilen Treibstoffe. Und ein CO2-neutraler Straßenverkehr lässt sich mit E-Mobilität herstellen, aber auch mit regenerativen Kraftstoffen", sagt etwa Bosch-Vorstand Volkmar Denner.

 Ragulation mit kreativem Freiraum

Bosch ist einer der größten Zulieferer der Automobilbranche. Neben dem Einsatz von E-Autos mit Batteriezellen setzen viele Fahrzeugbauer auf Wasserstofftechnik, einige auch auf den Einsatz von klimaneutral hergestellten Rohstoffen in Verbrennungsmotoren. Von "Technologie-Offenheit" sprechen daher Vertreter der Autobranche wie BMW-Vorstand Oliver Zipse.

Es sei richtig, wenn die Politik mit konkreten Klimazielen einen klaren Rahmen vorgebe, doch innerhalb dieses Rahmens müssten die Unternehmen kreative Lösungen finden. "Regulation ja, Vorgaben ja – aber wie das gemacht wird, da dürfen wir stärker auf die Kräfte der Industrie setzen, dass es nicht nur Elektromobilität ist, sondern alle Antriebsformen im Sinn der kontinuierlichen Verbesserung auch einen Beitrag leisten können", so Zipse.

Auch Arbeitnehmervertreter warnen

Der Wunsch nach mehr Spielraum hat auch damit zu tun, dass die Entwicklung neuer Fahrzeuge viele Jahre dauert. Heute kommen Autos auf den Markt, die schon lange vor den aktuellen Klimadiskussionen konzipiert wurden. Und ohne die Gewinne, die die Unternehmen mit den klassischen Verbrennern machen, ließen sich die milliardenschweren Investitionen in neue Technologien nicht finanzieren, heißt es aus der Branche.

Auch Arbeitnehmervertreter warnen vor einer Überforderung durch die Politik. "Wenn man das Thema Elektromobilität so einseitig weiter fördert wie das aktuell geschieht, dann sind hunderttausende von Arbeitsplätzen in Gefahr, die will keiner in Gefahr sehen. Ich frage mich nur, warum das keiner sieht", sagt Mario Gutmann, Betriebsrat bei Bosch in Bamberg.

Die Angestellen mitnehmen

Allein dort hängen 7.000 Arbeitsplätze an der Verbrennungstechnik. Bei einem weiteren großen Zulieferer, ZF in Schweinfurt, ist man beim Übergang zur E-Mobilität schon einen großen Schritt vorangekommen – doch auch das ging nicht von gestern auf heute, gibt Betriebsratschef Oliver Moll zu bedenken. "Wir haben die Elektromobilität seit 2016 am Standort Schweinfurt verortet und in einem sechsjährigen Prozess sukzessive Mitarbeiter durch Qualifikation von alten Produktwelten hin in neue Produktwelten umgezogen und dort weiter beschäftigt." 

Moll fordert daher eine gemeinsame Kraftanstrengung von Politik, Unternehmen und Gewerkschaften, um die Transformation der Branche zu bewältigen. Die Fortbildung der Mitarbeiter sei dafür ein entscheidender Faktor.

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