Normalerweise helfen Ärzte anderen Menschen. David Fajgenbaum tut das auch. Vor allem aber hat der Onkologe aus Pennsylvania sich selbst geholfen – und eine Therapie für eine bislang unheilbare Krankheit gefunden.

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David Fajgenbaum im Ärztekittel
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Als ehemaliger Quarterback in seiner Uni-Football-Mannschaft  (Spitzname: "The Beast") nutzt David Fajgenbaum immer noch gerne Sprachbilder aus dem Sport. Auch wenn es um sein Leben mit einer seltenen, unheilbaren Krankheit geht. "Ich lebe in der Spielverlängerung. Seit ich dachte, dass das Spiel für mich aus wäre, als ich 2010 schon die Sterbesakramente bekommen hatte", so der Onkologe.

Sein Körper wurde von einer mysteriösen Krankheit zerstört. Viereinhalb Monate verbrachte er im Krankenhaus und musste mich sogar schon von seinen Freunden und seiner Familie verabschieden.

Ein Drittel stirbt binnen fünf Jahren

Die mysteriöse Krankheit war Morbus Castleman, eine Immun-Erkrankung, die die Lymphknoten befällt. Fajgenbaum wurde mit der schweren Form diagnostiziert. So wie im Jahr 6.000 Menschen in den USA.

"Mein Immunsystem attackiert und zerstört meine lebenswichtigen Organe. Und wir wissen nicht warum. Und weil die Krankheit so wenig verstanden wird, stirbt ein Drittel von uns binnen fünf Jahren und ein weiteres Drittel binnen zehn Jahren nach Diagnose", so Fajgenbaum. Fünfmal sei er in den ersten drei Jahren der Krankheit selbst fast gestorben. Auch Chemotherapien brachten keine Besserung. Doch der mittlerweile 34-Jährige gab nicht auf.

Medikament war für Nieren-Transplantationen gedacht

Eigentlich war er Arzt geworden, weil seine Mutter an Krebs gestorben war. Nun hatte er eine neue Aufgabe gefunden: den Kampf gegen Morbus Castleman. Er gründete ein Netzwerk mit anderen Betroffenen und Spezialisten. Und Fajgenbaum begann, seine eigenen Daten intensiv zu studieren und mit Zellproben zu experimentieren.

"Ich hatte nicht mehr viele Optionen. Und dann habe ich ein Medikament gefunden, von dem ich dachte: Das könnte helfen." Besagtes Medikament war schon seit 25 Jahren auf dem Markt und wurde für Nieren-Transplantationen benutzt. "Aber nie für meine Krankheit", so Fajgenbaum. "Also habe ich angefangen, es zu nehmen. Das war vor fünfeinhalb Jahren und seitdem bin ich gesund."

"Das war der emotionale Tiefpunkt"

Über seine Erfahrungen hat Castleman nun ein Buch geschrieben. Bei Vorträgen zeigt er Fotos von sich nach der Chemo: kahler Kopf, ausgemergeltes Gesicht und ein riesiger, geblähter Bauch. Über manche Erlebnisse  kann er im Nachhinein lachen.

Einmal sei er mit seinem Vater über den Krankenhausflur gelaufen. Ein anderer Patient war gestürzt. Der Vater half ihm auf. "Der Mann sah uns an und sagte: Vielen Dank. Und alles Gute für Sie und ihre Frau. Wir haben es erst gar nicht verstanden. Dann habe ich runter auf meinen Bauch geguckt und es verstanden: Der Mann dachte, ich wäre die schwangere Frau meines Vaters. Das war echt der emotionale Tiefpunkt."

Die Botschaft: Nicht aufgeben!

Inzwischen läuft die erste klinische Studie mit dem Medikament, das Fajgenbaum gesund gemacht hat. Und der Mediziner hat eine Botschaft an alle anderen Menschen, die an einer bislang unheilbaren Krankheit leiden: Nicht aufgeben! "Mein Medikament wurde vor 25 Jahren für Nierentransplantationen entwickelt. Und es hilft Menschen mit Castleman. Wie viele Medikamente gibt es also vielleicht längst, die jemand mit einer der anderen 7.000 seltenen Krankheiten helfen würde?"

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 20.09.2019, 12-15 Uhr

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