Kim Byung-rok in seinem Schuh-Geschäft

Südkorea hat in der Corona-Krise wochenlang mit immer steigenden Infektionszahlen zu kämpfen gehabt. Nun erholt sich das Land langsam wieder. Für manchen Südkoreaner ist das der Moment, seinem Land etwas zurückzugeben.

Kim Byung-rok sitzt in seiner kleinen Schumacherei. "Ich hatte eine harte Kindheit, oft haben mir andere geholfen. Ich habe immer gedacht: Eines Tages werde ich ihnen das zurückgeben, aber ich konnte diese Menschen nicht mehr finden. Deshalb dachte ich, wenn ich jetzt anderen Menschen helfe, könnte ich mich so für die viele Freundlichkeit von damals bedanken." Und dann zeigt der 60-Jährige den Reportern der Agentur AP eine Kaufurkunde.

Vor sechs Jahren hat Kim von seinem hart erarbeiteten Geld ein Stück Land erworben, 33.000 Quadratmeter Fläche in den Bergen von Paju – rund 30 Kilometer nordwestlich von Seoul. Hier, weit weg von der südkoreanischen Hauptstadt, atmete er frische Luft. Doch wegen der Coronakrise entschied er: Ich verkaufe das Land an die Lokalregierung.

"Hätte auch Geld gespendet"

Mit seiner Idee musste er dann aber noch zur Gattin. "Meine Frau und ich haben darüber nicht gestritten. Sie wusste, dass das eine gute Sache ist. Wenn ich Geld gehabt hätte, hätte ich eine Million oder zehn Millionen Won gespendet, aber das habe ich nicht. Und das Land wollte ich ja auch nicht mit ins Grab nehmen – ja, und so habe ich meine Frau überzeugt," erzählt Kim.

Die Lokalregierung kann das Land für schätzungsweise 400.000 bis 500.000 Euro verkaufen. Der Gewinn soll den Bedürftigen der Stadt zugutekommen und für den Wiederaufbau der Wirtschaft genutzt werden.

Wie eine Sucht

In den sozialen Medien zollen manche Nutzer dem südkoreanischen Schumacher Respekt für seinen Großmut und nennen ihn einen Engel. Aber es gibt auch Kritiker, doch das lässt den 60-jährigen Kim kalt: "Meine Kritiker fragen mich: 'Warum machst Du das, hattest Du selbst ein schlechtes Leben. Kümmere Dich doch erstmal um Deine eigenen Kinder bevor Du anderen hilfst.' Aber ich habe mein ganzes Leben so gelebt. So wie andere Leute drogen- und spielsüchtig sind, so habe ich ein Helfersyndrom. Wie ein helfender Engel eben."

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 2.04.2020, 12-15 Uhr

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