Radfahrer an der Konstablerwache in Frankfurt
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Immer mehr Menschen in Hessen steigen aufs Rad. In Frankfurt etwa hat sich die Zahl der Radfahrer in den letzten acht Jahren mehr als verdoppelt. Das ist gut für die Luft in den Städten, aber wie sicher ist es für die Fahrer?

Vielerorts in Hessen wird derzeit für eine fahrradfreundlichere Politik demonstriert. Ob in Wiesbaden, Darmstadt oder Frankfurt - in vielen hessischen Städten sind bereits Bürgerinitiativen entstanden, die vor allem eines wollen: mehr Sicherheit für Radfahrer und Radfahrerinnen. In Frankfurt sammelt derzeit die Initiative Radentscheid Frankfurt Unterschriften, um bis zur Landtagswahl im Herbst einen Bürgerentscheid zu erreichen.

"Plötzlich endet der Radweg im Nichts"

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zum Artikel hr-iNFO-Politik: Fest im Sattel? Hessens Fahrradinfrastruktur auf dem Prüfstand

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Norbert Szep, Initiator der Initiative, fährt täglich rund 15 Kilometer mit dem Fahrrad und das schon seit rund 40 Jahren. Vier Mal sei er dabei verletzt worden und immer sei die unübersichtliche Infrastruktur schuld gewesen, sagt er. So gebe es beispielsweise160 Lücken im Fahrradnetz in Frankfurt: "160 Mal das Aha-Erlebnis, dass man auf einem Fahrradweg fährt und plötzlich dieser Fahrradweg im Nichts endet und man plötzlich mit den Autos mitschwimmen muss." Das seien gefährliche Situationen, "weil man auf den großen Straßen relativ schnell überholt und auch geschnitten wird. Da ist in Frankfurt sehr viel zu tun", so Szep. Im letzten Jahr hat es in Frankfurt drei tote und über 100 schwerverletzte Radfahrer gegeben.

Als ein positives Beispiel für ein fahrradfreundliches Verkehrskonzept in einer Großstadt gilt seit längerem die Hauptstadt Dänemarks. Neun von 10 Dänen sind Fahrradfahrer, in mehr als 40 Prozent aller Haushalte gibt es kein Auto mehr. Es gibt Straßen und Brücken nur für Radfahrer und auch exklusive grüne Wellen.

Hier hat sich auch die Bürgerinitiative Radentscheid ein paar Anregungen für den Frankfurt Forderungen-Katalog abgeschaut: sicherere Kreuzungen, Tempo 30 in Nebenstraßen, mehr Fahrradparkplätze, öffentliche Kampagnen für ein Umdenken und eben mehr und sichere Radwege. Gestrichelte Linien auf der Fahrbahn sind laut Norbert Szep "besser als nichts". Sicherer seien aber bauliche Abtrennungen oder - am besten - "ein abgetrennter Radweg, der so breit ist, dass zwei Fahrradfahrer nebeneinander fahren können."

Land fördert Radverkehr

Das Verkehrsdezernat der Stadt baut das Radwegenetz laut eigenen Angaben kontinuierlich weiter aus. Klaus Österling, Verkehrsdezernent und SPD-Fraktionsvorsitzender im Römer, sieht das Problem: "Die Stadt wächst und damit wächst auch der Verkehr. Das heißt, die Konkurrenz zwischen den Verkehrsteilnehmern wird immer größer." Im Koalitionsvertrag hat man sich in der Stadt darauf geeinigt, viele Radwege auf die Fahrbahnen zu verlegen und zu kennzeichnen. Damit entspreche man der Forderung vieler Radverbände. Österling setzt aber vor allem auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs: "Es wird möglich sein, den Fahrradverkehrsanteil von 14 auf 20 Prozent zu steigern, aber die wirkliche Alternative zum Auto ist der ÖPNV."

Auch das Land Hessen fördert den Radverkehr, etwa mit der Arbeitsgemeinschaft Nah-Mobilität. Diese soll Kommunen dabei unterstützen, die Fahrradinfrastruktur zu planen und umzusetzen. "Wir wollen den Kommunen helfen, an dieser Stelle rauszufinden, wo stehen wir", so der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Finanzspritzen gibt es außerdem für Radwege an den Landstraßen – das sind in diesem Jahr fünf Millionen Euro. Und zurzeit ist der erste Radschnellweg in Hessen zwischen Darmstadt und Frankfurt in Arbeit. Laut Al-Wazir ist das nicht der letzte: "Wir gucken schon: Frankfurt-Hanau, Frankfurt Richtung Flughafen, für die Leute die dort arbeiten. Es sind Studien in Auftrag gegeben worden für Nordhessen, Kassel-Baunatal als Beispiel, auch in Mittelhessen, Marburg-Gießen, das geht jetzt richtig los."

Weitere Informationen

Radentscheid Frankfurt

Die Unterschriftenlisten des Radentscheids Frankfurt liegen noch bis zum 26. Juni in vielen Frankfurter Geschäften und Kneipen aus oder können im Internet heruntergeladen werden. 

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