Arbeiterinnen in Bangladesh nähen Kleidung für europäische Textilunternehmen. (dpa)

Wie fair und nachhaltig wurde die Kleidung produziert, die wir in Geschäften finden? Für Verbraucher ist das oft schwer zu erkennen, denn es gibt zwar viele Siegel, aber keine allgemeinen Vorschriften. Mit dem neuen Lieferkettengesetz soll sich das ändern.

Wenn Sie wissen wollen, ob ihre Kleidung nachhaltig ist, haben sie ein Problem. Denn Nachhaltigkeit ist kein geschützter Begriff. Um wirklich zu wissen, wie das Kleidungsstück hergestellt wurde und ob es die Natur und die Menschen, die es herstellen, schützt, muss man genauer hinschauen, sagt Reiner Metzger von Stiftung Warentest.

Unterschiedliche Standards

In einem Test hatte das Verbrauchermagazin mehrere Textil-Siegel geprüft. Ein Beispiel ist das sogenannte Global Organic Textile Standard-Siegel (GOTS). "Da haben Sie Mindeststandards für Arbeitsbedingungen und einen sehr starken Umweltschutz", sagt Metzger. Die GOTS prüfe genau, von welcher Baumwollfarm die Fasern kommen, in welchen Fabriken sie weiterverarbeitet werden und wie daraus ein T-Shirt entstehe. "Das ist eine lückenlose Kette von Leuten, die sich zu diesen Mindeststandards verpflichten."

Außerdem ist bei diesem Standard auch geregelt, dass das Produkt am Ende mindestens zu 70 Prozent aus reiner Naturfaser besteht. Anders legt es beispielsweise das Regelwerk des Organic Content Standard (OCS) aus. Zwar werden auch hier Vorgaben gemacht, etwa wie viel reine Naturfaser am Ende in der Kleidung sein soll. Aber der OCS-Standard sagt so gut wie gar nichts über soziale Standards aus. Und andere Siegel legen wieder andere Standards zugrunde.

"Teilweise haarsträubende Bedingungen"

Genau darin sieht Reiner Metzger auch die Schwierigkeit: "So lange Sie nicht durchgehend ein zertifiziertes Siegel haben, haben Sie immer Lücken drinnen, gerade im verarbeitenden Bereich – in den Fabriken, in denen gefärbt und gewebt wird. Da sind teilweise haarsträubende Bedingungen. Und solange Sie keine generellen Vorschriften haben, gibt es immer große Bereiche in der Textilwirtschaft, die ein paar Cent an einem T-Shirt sparen."

Und genau da soll das Lieferkettengesetz anknüpfen. Hinzu kommt, dass immer mehr Verbraucher Wert auf Menschenrechte und Umweltschutz legen. Das haben auch die großen Bekleidungsunternehmen verstanden wie beispielsweise das schwedische Modeunternehmen H&M, das die Nachhaltigkeits-Linie Conscious eingeführt hat.

Doch wie kontrolliert ein so großer Konzern, dass die Standards in den Fabriken vor Ort auch eingehalten werden? "Wir führen natürlich 'Audits' durch in der Lieferkette, vielleicht nochmal wichtig zu sagen, dass wir keine eigenen Produktionsfabriken haben. Das heißt, wir lassen produzieren, aber wir haben keine eigenen Fabriken", sagt Mark Jozwik, Kommunikationsverantwortlicher in Sachen Nachhaltigkeit bei H&M. Man habe aber ganz klare Anforderungen, die an die Zusammenarbeit mit den Lieferanten gestellt würden: "Wir haben Nachhaltigkeitsverpflichtungen, die sind für alle Lieferanten verbindlich und auch nicht verhandelbar. Da setzen wir die sozialen und ökologischen Standards fest.“

Lieferkettengesetz bietet verbindlichen Rahmen

Diese werden laut Jozwik in den Produktionsländern von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen regelmäßig kontrolliert. Auch das hessische Unternehmen hessnatur aus Butzbach verkauft Bekleidung, die nach fairen und nachhaltigen Standards hergestellt wird. Kristin Heckmann leitet den Bereich Corporate Responsibility und erklärt, welche Punkte einer Lieferkette sie überprüft: "Unsere Standards wie etwa die Sozialstandards beinhalten zum Beispiel existenzsichernde Löhne, keine Ausbeutung von Kinderarbeit, aber natürlich auch sichere Arbeitsbedingungen. Und diese ganzen Themen, sowohl die ökologischen als auch die sozialen Faktoren, begleiten wir in der Umsetzung und in der Überprüfung."

Das Lieferkettengesetz bietet den Unternehmen jetzt einen verbindlichen Rahmen. Allerdings liegt es nun an ihnen, diese Vorgaben auch umzusetzen.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 10.6.2021, 6 bis 9 Uhr

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