Münster
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Am 7. April fährt ein 48-Jähriger mit seinem Campingbus in der Münsteraner Innenstadt auf die Terrasse der Traditionsgaststätte Kiepenkerl. Die Überlebenden leiden unter den Folgen.

In der Innenstadt von Münster ist wieder Alltag eingekehrt. Auch der Kiepenkerl hat mittlerweile wieder geöffnet. Doch nach wie vor müssen in den Krankenhäusern Menschen behandelt werden, die am 7. April teils schwer verletzt wurden. Wie etwa in der Uniklinik. "Mittlerweile haben wir noch vier Patienten stationär, zwei liegen noch auf der Intensivstation und bei einem ist die Lage nach wie vor so kritisch, dass wir nicht sagen können, wie es ausgehen wird", sagt Pressesprecherin Marion Zahr.

Zwei weitere Verletzte liegen in einem anderen Krankenhaus auf der Intensivstation. Viele sind nicht nur körperlich, sondern auch seelisch verwundet, erzählt Ulrich Nolte vom Sozialdienst: "Es gibt Menschen, die mögen nicht mehr über das erzählen, was hier passiert ist, und andere, die sich sehr mitteilen, immer wieder in das Gespräch gehen, darüber reden wollen. Es gibt Menschen, die wütend sind über das Ereignis, dass sie so unwillkürlich und nicht planbar aus dem Leben gerissen worden sind."

Seelsorger, Sozialarbeiter, Therapeuten – den Betroffenen steht ein breites Netz an Helfern zur Verfügung – während sie noch in der Klinik sind, aber auch für die Zeit danach. Das gilt auch für deren Angehörige und Freunde. Tatsächlich ist der Kreis der Betroffenen deutlich größer als im ersten Moment vermutet. Auch Ersthelfer, Rettungskräfte, Polizeibeamte und Krankenhausmitarbeiter mussten und müssen das Ereignis verarbeiten. Das gilt tatsächlich auch für Krankenhausmitarbeiter, die am 7. April nicht zur Verfügung standen, um helfen zu können. Damit umzugehen, falle nicht allen einfach.

Entschädigung für die Opfer

Ihnen allen steht Hilfe zu – und zwar kostenlos. Landesweit sind die Traumaambulanzen der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe vorbereitet und werden stark nachgefragt. Ging es zunächst vor allem um seelische Sorgen und Ängste, geht es zunehmend auch um mögliche Entschädigungszahlungen, wie sie das Landesgesundheitsministerium zugesichert hat.

Wer aufgrund der körperlichen oder seelischen Verletzungen Probleme im Alltag und bei der Arbeit bekommt, hat darauf einen gesetzlich geregelten Anspruch nach dem Opferentschädigungsgesetz. Für die Menschen, die noch in der Klinik behandelt werden, steht derzeit aber eine Frage im Vordergrund: möglichst schnell gesund werden und nach Hause gehen zu können. Und: Normalität.

Weitere Informationen

Update: Inzwischen ist laut Polizei ein 74-jähriger Mann aus dem westfälischen Hamm an seinen schweren Verletzungen gestorben. Er ist somit das dritte Todesopfer.

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Sendung: hr-iNFO, 24.4.18, 12:20 Uhr

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