Luftaufnahmen von Papingo in der Regionaleinheit Ioannina

Mit Steuervorteilen und gut ausgebildeten Fachkräften versucht die griechische Regierung gezielt, Tech-Unternehmen ins Land zu locken. Auch deutsche IT-Firmen entdecken Griechenland als Standort für sich.

Athanasios Musiulis war sich sicher: Im krisengebeutelten Griechenland würde er keinen guten Job finden. Deswegen hat er 2015 das Land verlassen, in Großbritannien seinen Master gemacht und dann dort als Software-Entwickler gearbeitet.

 Wo liegt eigentlich Ioannina?

Doch vor gut einem Jahr ist er in seine Heimatstadt Ioannina zurückgekehrt, weil er einen Job bei Teamviewer bekommen hat. Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Göppingen ist bekannt geworden mit Softwarelösungen, die es möglich machen, aus der Ferne auf Geräte zuzugreifen, so dass man ortsunabhängig arbeiten kann. "Als ich gehört habe, dass Teamviewer nach Ioannina kommt, dachte ich: Wirklich? Das war eine wirklich schöne Überraschung", sagt Musiulis.

Auch für Philipp Deutscher, den Leiter der griechischen Niederlassung, lag Ioannina als Tech-Standort zunächst nicht unbedingt auf der Hand. "Wir haben uns mehrere Locations im europäischen Ausland angeschaut und dann irgendwann war natürlich die Frage: Ioannina, wo ist das? Macht das Sinn?", gibt er zu.

Die Menschen von den Unis abholen 

Seit eineinhalb Jahren lebt und arbeitet Deutscher mittlerweile in Ioannina. Die Stadt liegt im Nordwesten Griechenlands, etwa drei Autostunden von Thessaloniki entfernt. Ein entscheidender Faktor, den Standort hierherzulegen, sei die Nähe zu den vier Universitäten im Einzugsgebiet von Ioannina, sagt Oliver Steil, Vorstandsvorsitzender von Teamviewer. Denn in Deutschland sei es schwer, Programmiererinnen und Programmierer zu finden. "Also haben wir gesagt, irgendwo sollten wir mal schauen, dass wir andere Standorte finden, und haben dann gesehen, dass man hier ganz gut landen kann. Hier sind viele Leute, hier sind motivierte Leute, die Leute sind innovativ."

Die griechische Regierung hat großes Interesse daran, genau diese Leute im Land zu halten. Ziel Nummer Eins sei es, Jobs zu kreieren und jungen Griechinnen und Griechen die Möglichkeit zu geben, hier in Griechenland Karriere zu machen, so Premierminister Kyriakos Mitsotakis im ARD-Interview. Doch um das zu erreichen, ist das Land mehr denn je auf Investoren aus dem Ausland angewiesen.

Die Digitalisierung vorantreiben

Die Corona-Pandemie hat Griechenland besonders stark zugesetzt. Die Staatsverschuldung ist auf über 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes angestiegen und die Arbeitslosenquote liegt bei gut 16 Prozent. Die Regierung lockt nun mit Steuererleichterungen für Unternehmen, außerdem soll die digitale Infrastruktur stark ausgebaut werden.

Dafür möchte das Land auch die Mittel aus dem Corona-Aufbaufonds der EU nutzen: insgesamt 30,5 Milliarden Euro an Zuschüssen und Krediten. Knapp ein Viertel davon will die Regierung in die Digitalisierung investieren. So soll etwa die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung sowie der Ausbau von Glasfasernetzen und 5G-Technologie vorangetrieben werden.

Auch Microsoft will in Griechenland investieren 

Die Botschaft des Premierministers: "Griechenland verändert sich. Das ist nicht länger das Griechenland der Krise. Das ist ein Griechenland, das schnell wächst und mehr Möglichkeiten für ausländische Direktinvestitionen bietet." Und tatsächlich entdecken immer mehr Unternehmen den Standort Griechenland für sich. So will beispielsweise Microsoft eine Milliarde US-Dollar in den Aufbau von drei Datenzentren seiner Cloud-Computing-Plattform Azure investieren.

Auch Teamviewer möchte seinen Standort in Ioannina ausweiten. Das Unternehmen hatte dort mit 18 Beschäftigten begonnen, mittlerweile sind es 50. Langfristig sollen hier aber bis zu 200 Mitarbeitende ansässig werden.

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