Hygieneartikel Periode

"Die Periode gilt als ekelhaft, schlüpfrig oder peinlich", sagt die Autorin Franka Frei - ein Thema, das klar in die Intimsphäre gehört. Doch vielen Frauen wäre geholfen, wenn die Scham ein Ende hätte.

Franka Frei ist Aktivistin und Autorin und hat auf die Frage eine ziemlich deutliche Antwort gefunden. "Periode ist politisch: Ein Manifest gegen das Menstruationstabu" heißt ihr Buch. Dort schreibt sie: "Die Periode gilt als ekelhaft, schlüpfrig oder peinlich, und ihr schlechter Ruf kommt nicht von selbst." Doch woher kommt dieser schlechte Ruf überhaupt? "Das ist eine sehr, sehr lange Geschichte", sagt Frei im Interview.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Sauber und diskret - Ist die Periode politisch?

Hygieneartikel Periode
Ende des Audiobeitrags

Sie beginnt schon in der Bibel. Dort steht: Wer eine menstruierende Frau berühre, sei unrein. Diese Annahme zieht sich durch verschiedene Jahrhunderte, Kulturen und Religionen. Bis ins Jahr 1958 gab es die Theorie, Menstrualblut sei giftig und, so schreibt Franka Frei, "noch Ende der 60er-Jahre verloren Frauen ihren Job, weil man annahm, sie hätten aufgrund ihres 'Menstrualschweißes' materiellen Schaden verursacht."

Von "Erdbeerwochen" und dem "Besuch der roten Tante"

Heute äußert sich all das noch immer in einem großen Schamgefühl. Das sehen wir laut Franka Frei auch daran, dass es sehr viele Euphemismen für die Menstruation gibt, Umschreibungen wie "Erdbeerwoche" oder "Besuch der roten Tante". Und das, obwohl die Hälfte der Weltbevölkerung menstruiert. Aber Frauen hätten nun mal über viele Jahre gelernt, dass die Menstruation etwas Ekliges ist, das sie minderwertig macht.

Die Menstruation habe auch ökonomische Aspekte, sagt Franka Frei - weil Frauen durch die Periode weniger zur Schule oder zur Arbeit gehen und weniger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. In anderen Ländern gibt es daher schon Modelle wie den Menstruationsurlaub. Schon 1920 haben Gewerkschaften zum Beispiel in Japan freie Tage für Frauen gefordert, die unter Menstruationsbeschwerden leiden, 1947 wurde dort ein entsprechendes Gesetz eingeführt. Und es gibt auch einen ökologischen Faktor: Tampons, Binden und Slipeinlagen enthalten allesamt Plastik, Binden bestehen sogar zu großen Teilen daraus – verursachen also große Mengen Müll.

Zu wenig Forschungsgelder

Eine weiteres Problem beim "Tabuthema" Menstruation: Krankheiten, die damit zusammenhängen, finden zu wenig Beachtung. Die Menstruation werde zu wenig erforscht, sagt Franka Frei, das Geld fließe in andere Forschungsprojekte. Krankheiten wie die Endometriose, also Entzündungen und Zysten unter anderem an den Eierstöcken, die starke Schmerzen verursachen, werden oft mit starken Menstruationsschmerzen verwechselt. Dabei ist es eine der häufigsten Unterleibs-Erkrankungen bei Frauen. Laut Techniker Krankenkasse geht man davon aus, dass 40 bis 60 Prozent der Frauen mit stark schmerzhaften Regelblutungen eine Endometriose haben.

Ein gesundheitliches Risiko tragen auch Frauen, die unter sogenannter Periodenarmut leiden. Vor allem obdach- oder wohnungslose Frauen haben große Probleme, sich um ihre Monatshygiene zu kümmern oder können sich Hygieneprodukte nicht leisten. Doch nicht nur Frauen auf der Straße sind von Periodenarmut betroffen, sagt Daisy Rüb vom Berliner Verein social period e.V., der sich gegen Periodenarmut stark macht. Sondern auch Frauen, die zwar einen Wohnsitz haben, die aber am Existenzminimum leben. Zum Beispiel, wenn sie entweder unter dem Mindestlohn verdienen oder finanzielle Unterstützung durch den Staat bekommen. Die Senkung der sogenannten Tamponsteuer Anfang des Jahres sei da nur ein Schritt in die richtige Richtung.

"Blaues Blut" in der Werbung

Auch die Werbebranche prägt den öffentlichen Diskurs: In der Werbung wird bis heute weitestgehend eine blaue Proxy-Flüssigkeit gezeigt, um Periodenblut darzustellen. Das erzeuge Schamgefühle, sagt Julia Rittereiser. Sie hat in Berlin Kora Mikino gegründet, ein Label für Menstruationsunterwäsche, das sich auch gegen Periodenarmut stark macht. Durch das "blaue Blut" in der Werbung finde eine komplette Entfremdung statt, sagt Julia Rittereiser: "Sowohl auf visueller als auch auf anekdotischer Ebene wird mir suggeriert: Das ist so unrein, dass wir dafür eine blaue Flüssigkeit nutzen müssen, um das zeigen zu können." Hier müsse der Gesetzgeber reagieren und klare Regeln aufstellen: "Auch Faltencreme-Hersteller dürfen keine unrealistischen Bilder mehr in der Werbung zeigen. Das sollte auch für Periodenprodukte gelten."

Trotz des direkten Kontakts mit den hochsensiblen Schleimhäuten unterliegen Tampons als "Bedarfsgegenstände" keiner Deklarationspflicht. Damit ist die genaue Zusammensetzung der Produkte für die Verbraucherinnen nicht erkennbar. Auch hier brauche es laut Franka Frei klare Regeln und Gesetze, damit Frauen sich nicht mehr selbst informieren müssen, ob ihr Periodenprodukt eventuell zu Organschäden führen kann.

Die Periode ist politisch

"Es muss eine gesellschaftliche Forderung gestellt werden", sagt Julia Rittereiser, "dann muss der Gesetzgeber aktiv werden, weil am Schluss nur er die Power hat, unsere Gesellschaft so zu prägen wie kein anderer."  Das heißt, jede einzelne Person kann Petitionen starten, um die Tamponsteuer zu senken. Vereine gründen, um Frauen zu helfen, die unter Periodenarmut leiden. Bücher schreiben, um über das Thema aufzuklären. Ob am Ende aber Tamponhersteller auf die Packungen schreiben müssen, was für Inhaltsstoffe eigentlich in Tampons drin sind, ob Steuern gesenkt werden, damit mehr Frauen Zugang zu Hygieneprodukten haben, oder ob in der Schule das Thema Menstruation auf den Lehrplan kommt, das entscheiden nicht die menstruierenden Frauen. Sondern die Politik.

Sendung: hr-iNFO Politik, 23.10.2020, 21:35 Uhr

Jetzt im Programm