Eine Frau arbeitet im Homeoffice (dpa)

Ob technische Probleme oder Kinderbetreuung: Die Arbeit im Homeoffice bringt Stressfaktoren mit sich, die es im Büro so nicht gibt. Die Uni Gießen hat jetzt untersucht, wie sich das auf unsere Psyche auswirkt - und was wir dagegen tun können.

Momentan arbeitet laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung jeder Vierte Deutsche im Homeoffice. Mit allem, was dazugehört: technische Probleme, Kinderbetreuung und so weiter. Sascha Abdel Hadi von der Universität Gießen hat diese sogenannten Stressoren jetzt untersucht und herausgefunden, welchen Einfluss sie auf unsere Psyche haben: "Da zeigt sich, dass insgesondere die Arbeitsstressoren, aber auch Stressoren, die noch zusätzlich durch das heimische Umfeld hinzukamen, und auch viele Gedanken, die sich um diese Corona-Pandemie drehen - dass sich das negativ auf das Wohlbefinden der Leute auswirkte, im Sine von dass es zu Zuständen von emotionaler Erschöpfung führte. Also die Leute haben so dieses ganz typische sich-ausgebrannt-fühlen vermehrt im Homeoffice empfunden."

Aktive Zielsetzungen in der Freizeit

Aber was dagegen tun? Auch das war Teil der Studie. Und die Antwort lautet: "Leisure Crafting." Das bedeute "hauptsächlich eine aktive Zielsetzung in der Freizeit", erklärt Sascha Abdel Hadi. Also sich neue Aktivitäten suchen, die ein - das sei wichtig - forderndes Potenzial haben. "Das kann für die eine Person das Erlernen einer neuen Sprache sein, für eine andere Person kann das eine sportliche Aktivität sein."

Das geht zum Beispiel hier: Beim Badminton spielen im Sport Point in Gießen. Studioleiterin Kristina Eichwald merkt, dass mit dem Homeoffice auch mehr einen sportlichen Ausgleich suchen. Das Angebot werden sehr gut angenommen, "die Leute suchen nach Alternaitven, wie sie sich bewegen und fit halten können. Und das ist zumindest eine kleine Flucht aus dem öden Alltag momentan", so Eichwald.

Den Alltag hinter sich lassen

Das findet auch Simon Scheffler. Er arbeitet als Lehrer an der Gesamtschule Wollenberg in Wetter – meistens im Homeoffice. In der Zeit der Pandemie hat er Badminton für sich entdeckt und spielt zwei Mal die Woche. Zu Hause sei viel Distanzunterricht, "da sitzt man viel am Schreibtisch und ist in Videokonferenzen mit den Schülern, und hier vor Ort kann man sich mehr betätigen und in Bewegung kommen." Das ist Simons aktive Freizeitgestaltung. Oder wir er es nennt: "Eine Stressreduktion einfach. Man kann sich einfach so am Sport ein bisschen ertüchtigen und den Alltag hinter sich lassen."

Den Alltag im Home Office auch mal hinter sich lassen: Nach den neuen Studienergebnissen der Universität Gießen ist das genau das Richtige.

Sendung: hr-iNFO Aktuell, 15.4.2021, 9 bis 12 Uhr

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