Hände, die zur Abstimmung in die Höhe gehalten werden
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Politikverdrossenheit trifft auf politisches Engagement – so geschehen beim Frankfurter Demokratiekonvent. Aber reicht das aus, um die Demokratie zu stärken? Oder braucht es wieder mehr Menschen, die protestierend auf die Straße gehen wie bei 'Fridays for Future'?

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Politik fängt bei jedem einzelnen von uns an. Egal, ob man sich nun in der Schülervertretung engagiert oder für Initiativen wie 'Fridays for Future' auf die Straße geht - oder zum Frankfurter Demokratiekonvent. Organisiert haben den junge Studierende vom Verein 'Mehr als Wählen e.V.'. Die Idee dahinter: explizit Menschen zusammenbringen, die sonst vielleicht nicht unbedingt miteinander reden würden.

Viele der Teilnehmenden sehen das Projekt als Bereicherung. So wie der 55-jährige Frankfurter Arnold Fohler, der im Bankbereich arbeitet: "Ich bin in einem Alter, wo ich mir die Frage stelle: Was kann ich der Gesellschaft zurückgeben, außer den Steuern, die ich zahle?“.

Was fehlt, ist die Mitbestimmung

Ganz anders sieht es bei Teilnehmerin Anna Heep aus. Sie und viele Freunde von ihr fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.
"Meine Generation aus den 60er Jahren, wir fühlen uns von Politik nicht mehr vertreten mit unseren Interessen", sagt sie. "Wir fühlen uns von oben diktiert.“ So wie Anna Heep geht es wohl vielen. Was ihnen fehlt, ist die Mitbestimmung.

Eike-Christian Hornig ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Demokratie- und Demokratisierungsforschung am Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er ist der Meinung, dass die Politik mehr direkte Beteiligung braucht, damit die Menschen nicht mehr so unzufrieden sind. "Wir haben in Hessen eine Volksabstimmung gehabt vor einiger Zeit - und da wünschen sich eben viele Menschen mehr von", sagt er.

"Die Jugend ist nicht beteiligt genug"

Mehr Beteiligung und auch das Gefühl vermittelt zu bekommen, als junger Mensch ernst genommen zu werden - das wünscht sich auch die 19-jährige Schülerin Cynthia. Sie sagt: "Junge Menschen haben einfach nicht das Gefühl, dass sie politisch etwas bewirken können."

Politikwissenschaftler Hornig hat eine Erklärung dafür, warum sich viele junge Menschen nicht von der Politik angesprochen fühlen.
Die klassische Parteiarbeit reize viele junge Menschen nicht, "sondern man will konkret etwas bewirken".


Direkte Mitbestimmung funktioniert – wenn man sie zulässt

Konkret etwas bewirken, das wollen auch die Kinder vom Kinder- und Jugendparlament in Marburg – kurz KiJuPa. Wann immer es innerhalb von Marburg um Entscheidungen geht, die Kinder und Jugendliche betreffen, entscheidet das KiJuPa mit. Und somit auch Kinder wie Lasse und Leon. Für sie ist es wichtig, sich politisch zu engagieren. Dafür opfern sie auch gerne ihre Freizeit. "Damit ich etwas umsetzen kann in der Stadt Marburg, weil man das auf einem anderen Weg eigentlich nicht kann als Kind,"  sagt Leon.

Und Lasse ist mit seinen elf Jahren quasi schon ein Politik-Profi. Es gab noch kein Schuljahr, wo er sich nicht als Klassensprecher hat aufstellen lassen. Er hat es sogar geschafft, dass gleich sein allererster Antrag umgesetzt wird: Der Fußballplatz seiner Grundschule hat nun endlich Linien. Das zeigt: Direkte Mitbestimmung funktioniert – wenn man sie zulässt.

Sendung: hr-iNFO Politik, 25.7.19, 20:35 Uhr

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